Willkommen zum dritten und letzten Teil in der Workshop-Reihe „Metal Bass spielen lernen“. Zum Abschluss werfen wir einen Blick auf verschiedene Spieltechniken, die im Heavy Metal Verwendung finden. Ein spannender Aspekt dabei ist, wie die gleiche Bassline mit verschiedenen Spieltechniken klingt – und ob sich davon eine besser für Metal eignet oder letztlich nur wieder alles reine Geschmacksache ist. Darüber hinaus gibt es auch Techniken, die explizit für spezielle Zwecke (Geschwindigkeit, Powerchords, Akkordbrechungen, Lagenwechsel etc.) eingesetzt werden. Dank einiger Protagonisten der letzten 20 bis 30 Jahre findet man im heutigen Metal sogar so einige Spieltechniken, die man im ersten Moment gar nicht zwingend mit härteren Gangarten assoziiert.

(Bild: ZUMA Press, Inc. / Alamy Stock Photo)
Wird Metal mit Fingern oder mit Pick gespielt?
Bei Heavy Metal denkt man natürlich sofort an einen möglichst aggressiv-bissigen Basssound mit jeder Menge Attack. Das schreit eigentlich nach einem Pick, oder? Schaut man sich die Metal-Landschaft an, so hält sich die Anzahl der Finger- und Pick-Spieler aber ziemlich die Waage. Dies ist insofern interessant, da man in nicht wenigen anderen Genres, die gemeinhin als nicht so hart eingestuft werden wie Metal (z. B. Punk) fast ausschließlich auf Bassleute trifft, die ihr Instrument mit dem Pick beackern.
Wie auch immer: In Metal scheinen beide Techniken ihre Berechtigung zu haben! Darüber hinaus gibt es aber auch viele Bassistinnen und Bassisten, die je nach Song und gewünschtem Sound zwischen beiden Anschlagsweisen hin- und herwechseln. Ein Pick liefert aufgrund seiner die gegenüber den Fingern deutlich härtere Oberfläche fraglos mehr Attack, Aggressivität und Biss. Ein kräftiger Anschlag mit den Fingern kann aber auch sehr aggressiv knallen, und zusätzlich steht einem aufgrund der weicheren Oberfläche der Finger etwas mehr Low End zur Verfügung. Es gibt also durchaus gute Argumente für beide Varianten.
Die gute Nachricht: Bei verzerrten Sounds, die in Metal ja bekanntlich nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel sind, egalisiert sich wiederum einiges. Der Unterschied zwischen Finger- und Plektrumspiel ist dann deutlich geringer als bei cleanen Sounds. Hier hört ihr die gleiche Bassline einmal mit Fingern und einmal mit Pick gespielt:

Darf man als Bassistin/Bassist im Metal slappen?
Auch wenn man immer wieder Gegenteiliges zu hören bekommt: Auf Platz 3 der beliebtesten Bass-Spieltechniken im Metal folgt nach dem Finger- und dem Pick-Spiel tatsächlich ganz klar das Slappen – also eine Spieltechnik, die eigentlich mit Funk in Verbindung gebracht wird. Slapping etablierte sich aufgrund der tollen Bassarbeit von Protagonisten wie Jerry “Wizard” Seay (Mother’s Finest), Flea (Red Hot Chili Peppers), Tim Commerford (Rage Against The Machine) etc. in den härteren Genres. Und auch im Nu Metal – einer Mischung aus Hiphop und Metal – der 90er-Jahre fand es einen fruchtbaren Nährboden.
Auffällig häufig findet man die Slaptechnik im Metal beim Wechsel zwischen Grundton und Oktave (alternativ auch gerne die Sexte oder Septime) im Verbund mit rhythmischen Überlagerungen wie zum Beispiel 3 gegen 4, 5 gegen 4 etc., wie hier in diesem Beispiel:

(Bild: Shutterstock / Milan Risky)
Findet man Tapping auf dem Bass im Metal?
Diese Frage mit „Ja!“ zu beantworten, fällt nicht schwer: Bereits in den 80er-Jahren war Tapping durch Bassisten wie Billy Sheehan, Stuart Hamm, Randy Coven usw. eine allseits beliebte Spieltechnik. Allerdings wurde die Technik damals noch in erster Linie für virtuose Einlagen eingesetzt.
Heutzutage wird auch Tapping nicht mehr nur für exponierte Stellen (Soli, Intros etc.) verwendet, sondern ähnlich der Slaptechnik auch gerne ins Groove-Spiel integriert. Mitunter ist die Technik sogar die beste Wahl, wenn es darum geht, schnelle Wechsel zwischen tiefen und hohen Tönen umzusetzen. Hier hört ihr ein typisches Beispiel dafür:

Was für Bass-Spieltechniken gibt es darüber hinaus im Metal?
Auf zwei weitere Techniken möchte ich hier gerne noch eingehen. Selbstverständlich gibt es zudem noch weitere Spieltechniken, und viele Bassleute setzen darüber hinaus sehr individuelle und hoch interessante Techniken ein. Dies zu beleuchten, würde an dieser Stelle aber deutlich zu weit führen. Konzentrieren wir uns daher lieber auf die zwei folgenden Techniken:
▶ Strumming
Mit Strumming lassen sich mehrere Saiten gleichzeitig anschlagen. Die Bewegung ähnelt dem Öffnen und Schließen einer Faust, wobei man mit zwei oder mehr Fingern der Anschlagshand über mehrere Saiten fährt. Alternativ kann man auch Daumen und Zeigefinger aufeinanderlegen und eine Art Plektrum simulieren. Auch hier schlägt man die Saiten von tief nach hoch an. Der mit Abstand häufigste Einsatzzweck ist das Spiel von Powerchords (siehe Teil 1 dieser Workshopreihe). In diesem Beispiel kannst du das gut hören:
▶ Zupftechnik (Plucking)
Ähnlich wie bei einer klassischen Gitarre kann man natürlich auch die Basssaiten mit einer Zupftechnik aus Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger (oder auch weiterer Finger) anschlagen. Auf diese Weise lassen sich hervorragend Akkordbrechungen spielen, wie man sie zum Beispiel in Intros häufig findet. So könnte das Ganze zum Beispiel klingen:
Welche modernen Metal-Bassistinnen und Bassisten sollte man sich anhören?
Die Metal-Szene von heute sieht bekanntlich komplett anders aus als die der 70er-, 80er- und 90er-Jahre. Wir haben es gegenwärtig mit einer hochmodern denkenden Generation an Bassleuten zu tun, die auf Genregrenzen pfeifft, technisch auf höchstem Niveau agiert, und deren Protagonisten neben den altbekannten Vorbildern (Steve Harris, Cliff Burton etc.) auch Bassisten aus anderen Stilen ausgecheckt haben (z. B. Victor Wooten, Jaco Pastorius, Marcus Miller …).
Bassisten wie z. B. Ryan Martinie von Mudvayne oder Adam “Nolly” Getgood (ehemals Periphery) haben das Thema „Metal-Bass“ auf ein ganz neues Niveau gehoben und wechseln völlig selbstverständlich zwischen den unterschiedlichsten Spieltechniken. Hier sind ein zwei Videos dieser beiden Tieftöner:
Neben diesen beiden bekannten Namen findet ihr hier noch ein paar weitere Bassisten, die man sich als ambitionierter Metaller zur Inspiration anschauen kann: Liam Wilson (The Dillinger Escape Plan), Eugene Abdukhanov (Jinjer), Steve Di Giorgio (Death/Sadus), Jared Smith (Archspire), Stephen Fimmers (Necrophagist), Erlend Caspersen (Spawn Of Possession/Abhorrent) und natürlich noch viele mehr.
Viel Spaß beim Spielen und Bangen wünscht euch Thomas Meinlschmidt



