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Behringer Neutron Test

Behringer nutze im Zeitraum der NAMM-Show 2018, der wohl wichtigsten Messe für Musikinstrumente dieser Zeit, die Gunst der Stunde und zauberte im Januar den Neutron, einen neuen semi-modularen Synthesizer aus dem Hut, ohne selbst an der Messe teilzunehmen. Der Neutron sorgte, wie bereits die von Behringer zuvor angekündigten Produkte, für viel Furore in den Foren und überschattete die Synthesizer-Neuheiten der NAMM. Mehr als ein halbes Jahr haben Vorbesteller warten müssen, aber nun ist er bei vielen deutschen Händler angekommen. Verfügbar heißt hier nicht zwingend, dass er lieferbar ist. Wie schon beim Model D, der über 25.000 Mal verkauft wurde, gibt es auch hier enorme Vorbestellungen, was zu weiteren Wartezeiten führt. Kein Wunder, von welchem Hersteller erhält man schon für 299 € einen vollwertigen semi-modularen Hardware-Synthesizer?

Behringer Neutron Test. (Foto: Tom Wies)
Der Behringer Neutron bietet viel Synthesizer für sein Geld. (Foto: Tom Wies)


Als Beta-Tester konnte ich bereits seit Februar 2018 meine Finger an den Neutron legen und die Knobs zum Glühen bringen. Welchen Eindruck das “rote” Instrument aus dem Hause Behringer auf mich macht, und wie er sich im Alltag schlägt, erfahrt ihr hier im Testbericht.
Wichtig zu erwähnen ist, dass dieser Testbericht auf einer Pre-Production Unit basiert, die kein finales Serienmodell ist. Abweichungen gibt es hier vor allem in der Farbe, die beim fertigen Synth etwas dunkler und matter erscheint, als bei der mir zur Verfügung stehenden Beta Version.

Details

Lieferumfang

Das obligatorische Unboxing-Foto muss an dieser Stelle leider ausfallen, da ‘Robin’ (Beta-Name meines Testgeräts) in einem sterilen Karton ausgeliefert wurde. Entscheidet man sich für einen Neutron, so erhält man im Lieferumfang, neben dem Instrument selbst, ein Netzteil (12V DC, 1000 mA), sechs mitgelieferte Patchkabel sowie ein Netzkabel für die Verwendung in einem Euroracksystem.

Erscheinungsbild: Rot!

Eines steht fest, die Farbe ‘Rot’ polarisiert die Synthesizer-Foren. Rot ist außergewöhnlich für ein elektronisches Instrument und fällt auf. Ähnlich wie in der Mode, macht man mit Schwarz nichts falsch im Synthesizer-Bereich. Einige Firmen wagen den Schritt und veröffentlichen andere Farben: Das goldene Endorphin.es Design oder auch die bunten Korg Monologues.
Neben der roten Farbe, die auf Fotos deutlich greller rüber kommt, als sie in Wirklichkeit erscheint, wurde der Neutron mit diversen Mustern verziert, die einen Kontrast darstellen sollen. Braucht man diese? Meiner Meinung nach nein, stören mich sogar persönlich in der Patch-Matrix. Ob man nun die Farbe nun mag oder nicht, die Entscheidung, das Gerät in diesem Design zu verwirklichen hat wohl einen Grund:  Der Synth fällt unter dem großen Angebot an Synthesizern sofort ins Auge. Darauf kommt es wahrscheinlich auch an.

Die rote Farbe des Neutron polarisiert. (Foto: Tom Wies)
Die Patch-Matrix des Behringer Neutron. (Foto: Tom Wies)

Clone oder kein Clone?

Der Neutron ist ein komplett neues Produkt ohne bekannte Vergangenheit und wurde von den MIDAS Ingenieuren in Manchester/UK entwickelt, die selben, die für die erfolgreiche DeepMind-Reihe verantwortlich sind.
Der Neutron ist ein semi-modularer Desktop-Synthesizer, der ein großes Patch Feld auf der rechten Seite besitzt. Da der Nutzer eine sehr breite Auswahl an Patch Punkten hat, die einem erlauben den Signalfluss komplett zu ändern, kann man ihn schon fast als modularen Synthesizer bezeichnen. Da man hier aber einen kompletten Synthese-Block, anstatt einzelner austauschbarer Module vor sich hat, trifft der Begriff Modular hier nicht zu 100% zu.

Oberfläche & Eurorack-Kompatibilität

Die Oberfläche des Neutron besteht aus einer einzelnen Platine worauf Faceplate, Knobs und Buchsen montiert sind. Ab Werk befindet sich diese in einem einfachen Aluminium-Case, die sich auch abschrauben und in ein Eurorack Case einbauen lässt. Hierfür liegt im Lieferumfang ein passendes Netzkabel bei.
Nutzt man den Neutron in seinem eigentlichen Zuhause, so erhält man ein sehr solides und stabiles Gehäuse, das sich wertiger anfühlt als man anfangs glaubt (299 € im Hinterkopf). Das komplette Instrument besitzt Moog-ähnliche (Zufall oder nicht !) Regler, die schön verarbeitet und schön buttrig drehbar sind. Leider sind diese nicht mit der Platine fest verschraubt, lassen sich somit schnell austauschen. Auffallend ist hier, dass die Knobs für LFO-Shape und Tune größer geraten sind. Dagegen verbaut man einen zu kleinen Regler für den Filter-Cutoff Regler.

Die Oberfläche des Neutron mit allen Bedienelementen vom Gehäuseunterteilt getrennt. (Foto: Tom Wies)
Die Oberfläche des Neutron mit allen Bedienelementen vom Gehäuseunterteilt getrennt. (Foto: Tom Wies)

Anschlüsse

Der Neutron besitzt kein einfaches Gehäuse sondern dieses bietet verschiedene wichtige Anschlüsse, die für den Desktop-Betrieb entscheidend sind. Wichtig hier zu wissen ist die Tatsache, dass das Case nicht Eurorack-kompatibel und somit nicht weiterverwendbar ist. Hier zu finden sind Anschlüsse für: Audio In/Out, MIDI-Thru, USB-MIDI und ein Kopfhörer-Ausgang mit einem eigenen Verstärker. Den MIDI-Kanal (1-4) kann man hier klassisch über einen DIP-Schalter einstellen. Strom erhält das Instrument durch ein einen klassischen 12V-Netzschalter oder direkt im Eurorack-Case durch das mitgelieferte Verbindungskabel.

Die Rückseite des Behringer Neutron mit allen Anschlüssen. (Foto: Tom Wies)
Die Rückseite des Behringer Neutron mit allen Anschlüssen. (Foto: Tom Wies)
Kommentieren
Profilbild von Marco Heger

Marco Heger sagt:

#1 - 25.11.2018 um 08:32 Uhr

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Der Neutron ist sein Geld wert. Die Soundbeispiele könnt ihr euch sparen, die sind einfach lieblos katastrophal, zum Glück gibt es Youtube . Der Uli macht hier Nägel mit Köpfen. Es wird immer besser. Ich freue mich besonders auf das Modular System vom Uli.

Profilbild von Andy Franke

Andy Franke sagt:

#2 - 20.01.2019 um 21:16 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Schöner Bericht. Habe meinen Neutron erst zwei Tage und wirklich, dass was mir auch gleich störend aufgefallen ist, sind die zu leicht gehenden Tuning-Regler und der kleine Cutoff und wiederum unnötig große LFO-Regler, sowie das farbliche Design des sonst wirklich tollen Gerätes. Ich habe die Kappen des Cutoff und LFOs einfach gegeneinander ausgetauscht. Beim surfen durch das Web bin ich auf die Seite heinakroon.net gestoßen, dort werden Overlays für den Neutron angeboten die eine komplett neue Farbgestaltung des Neutrons ermöglichen. Alle Funktionen sind dann auch farbkodiert und auch das Tauschen des Cutoff und LFO-Knobs kann bei der Bestellung berücksichtig werden. Leider nimmt man wegen der riesigen Nachfrage zur Zeit (Jan 2019) keine Bestellungen mehr entgegen. Da hat wohl jemand eine super Idee gehabt. https://www.heinakroon.net/After_hours/p5751465_18987280.aspxLG Andy

Profilbild von Marco Heger

Marco Heger sagt:

#3 - 12.04.2021 um 03:20 Uhr

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Nachdem ein paar Jahre ins Land gegangen sind steht der rote Kasten immer noch hier und begeistert. Inzwischen hat er einige Brüder und Schwestern bekommen, allesamt vom Robinhood der Musiker Ulli Behringer. Hier gibt's endlich vernünftige analoge Synthesizer für gutes Geld. Die meisten von uns verdienen keine Kohle mit der schönen Musik, aber die schöne Zeit damit ist unbezahlbar! Seit die Corona Zeit kannst Musik und Geld verdienen komplett vergessen. Also bleiben wir besser als Hobbygärtner und Hobbymusikant zuhause und warten bis der Virus sich wieder verpisst. Sehr schöner Testbericht! Nur dass die Farbe nicht gefällt zeigt mir allzuoft wie verwöhnt die Menschen sind. Bekommen sie einen geilen Synthesizer für wirklich wenig Geld nachgeschmissen, dann zicken sie immer noch rum ohne zu den wahren Wert des Gerätes zu erkennen. Der Synthesizer ist wirklich sehr gut durchdacht, und ja 1x lfo ist wenig, und ich hätte mir auch einen cv out und gate out gewünscht um einfach mal einen externen oscillator mit einzubinden. Aber das geht auch anders. Egal, für den Preis? Wer immer noch meckert der sollte vielleicht an seinen wirklichen Problemen im Leben arbeiten, aber der Synthesizer ist nicht schuld ??

Profilbild von Ginodagostino

Ginodagostino sagt:

#4 - 09.05.2021 um 22:53 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Ich bin wirklich auch nur begeistert von diesem Teil...
Der Sound ist perfekt und jallert (zum Glück) nicht jedem Minimoog(verschnitt) nach.
Extrem flexibel und mal ein anderes Soundstatemend.
Lässt sich super mit Crave und vor allem 2600 verpatchen oder allem anderen Eurostuff.
Farbe?
Find's ok!!!
Sch.... drauf (hab auch seit 25 Jahren nen Virus 1b... da beisst sich nix ;))
Trotzdem einfach leider geil.
Das Einzige was nicht so gut gelöst ist, finde ich wirklich den Balanceregler zwischen den Osci's... da verstell man echt mal schnell die Stimmung :|
Sonst...
Enorm bassig und schön, teils auch mal schön ungehobelt im Sound...
Ein echtes Plus!
Selbst das Lowfi Delay empfinde "ich" dazu authentisch!
Und man muss es ja auch nicht nutzen wenn es einem doch zu gruselig wird.
Trotzdem nice to have...
Distotion ist auch recht amtlich...
Für mich eines der besten analogen (Mono) Geräte zur Zeit und mit nem Hang zum Klassiker bzw, auch gerade für den Preiss ein best buy...

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