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Workshop: Gitarren-Hals / Bass-Hals einstellen

Ob sich eine E-Gitarre, eine Akustikgitarre oder ein E-Bass gut bespielen lassen, hängt massiv mit der richtigen Einstellung des Instrumentenhalses zusammen. Die gute Nachricht: Jeder Musiker kann diese Einstellarbeiten an seinem Instrument im Grunde ohne Probleme alleine vornehmen. In diesem Workshop erfährst du, wie man einen Gitarren- oder Bass-Hals in wenigen Schritten selbst einstellen kann!

Gitarrenhals / Basshals einstellen
Workshop: Gitarrenhals / Basshals einstellen

Wir alle wünschen uns Instrumente, die leicht zu bespielen sind und über das ganze Griffbrett hinweg gleichmäßig klingen. Hier kommt das Thema “Hals einstellen” ins Spiel! Je näher die Saiten am Griffbrett liegen, desto weniger Kraft muss mit der Greifhand aufgewendet werden. Allerdings benötigen die Saiten auch Platz zum Schwingen, und deswegen muss der Hals stets leicht gekrümmt sein. Ist er zu gerade, so gelangt ein übermäßiges Schnarren in den Ton, der durch die schwingenden Saiten erzeugt wird. Für die Einstellung der Halskrümmung ist der sogenannte Halsstab (auch: Truss Rod, Verstellschiene, Spannstab oder Hals-Einstellstab) zuständig. Was du beim Hals einstellen beachten musst, wollen wir hier und heute erörtern!

Achtung: Dieser Workshop ist im Bassbereich von bonedo erschienen und besitzt daher natürlich einen “Bass-Fokus” – vor allem in den Bildern und im unten verlinkten Video. Das Gros der hier vorgestellten Tipps und Tricks kann aber auch 1:1 auf den Gitarrenbereich übertragen werden!

Inhalte
  1. Step-by-step-Anleitung: Wie stelle ich einen Gitarrenhals oder Basshals ein?
  2. Alles beginnt mit der Einstellung der richtigen Halskrümmung!
  3. Gibt es die ideale Halskrümmung bei Gitarren oder Bässen?
  4. Saitenschnarren vs. gute Bespielbarkeit?
  5. Wo finde ich den Zugang zum Halsstab an meinem Instrument?
  6. Wozu dient der Stellstab im Hals?
  7. E-Gitarren und -Bässe sind jedoch nur bedingt mit einem Kontrabass zu vergleichen!
  8. Hals einstellen: Der einteilige Ahornhals ist nicht das Ende der Entwicklung!
  9. Fast unsichtbar: Aufgeleimte Ahorn-Griffbretter
  10. Hagström als Vorreiter
  11. Stellschrauben-Probleme bei alten Fender-Bässen
  12. Der Edelbass-Boom und seine Folgen …
  13. Fretless-Bässe
  14. Wenn die Halsschraube meiner Gitarre oder meines Basses festsitzt
  15. Problemfall
  16. Abrichtung der Bundstäbchen
  17. Video-Anleitung zum Einstellen der richtigen Halskrümmung

Step-by-step-Anleitung: Gitarren- / Bass-Hals einstellen

  • Falls nötig, entferne das Abdeckplättchen vom Zugang zum Halsstab am Headstock oder Halsende.
  • Drücke eine Saite gleichzeitig mit der Greifhand am 1. Bund und mit dem Daumen der Schlaghand am 12. oder 15 Bund herunter.
  • Tippe mit dem Zeigefinger der Schlaghand auf die Saite, während du sie wie beschrieben herunterdrückst. Die Saite fungiert nun als “Lineal”, mit dem du die Halskrümmung erkennen kannst.
  • Bildet das Griffbrett eine deutliche Mulde von den Saiten weg (“konkav”)? Dann muss es angezogen werden, um den Abstand zu verringern.
  • Liegen die Saiten auf dem Griffbrett auf oder ist das Griffbrett sogar in Richtung der Strings gekrümmt (“konvex”)? Dann muss der Halsstab gelöst werden!
  • Verwende IMMER passgenaues Werkzeug (Innensechskantschlüssel oder Kreuzschlitz-Schraubendreher) Mit falschem Werkzeug beschädigst du dein Instrument dauerhaft!
  • Gehe beim Lösen oder Anziehen stets nur in kleinen Schritten vor – eine Vierteldrehung kann bereits vollkommen ausreichend sein!
  • Eine richtige eingestellte Halskrümmung führt dazu, dass alle Bünde dieselben “Schnarranteile” aufweisen – richtige Bundabrichtung und Stegeinstellung vorausgesetzt!
  • Überprüfe die Halskrümmung häufig! Sie kann sich durch Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsunterschiede schnell wieder verziehen.
  • Weiterführende Infos und Details gibt es weiter unten in diesem Artikel – oder in dem unten verlinkten Workshop-Video.

Wichtig: Einstellung der richtigen Halskrümmung!

Ich bezeichne die Einstellung einer Gitarre oder eines E-Basses unter drei Aspekten gerne als die “heilige Dreifaltigkeit”. Sie besteht aus folgenden Punkten:

1.) Halskrümmung

2.) Saitenlage

3.) Oktavreinheit

Alle drei Aspekte sind untrennbar miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig: Ändert man die Halskrümmung, so verändert sich zwangsläufig auch die Saitenlage. Ändert man die Saitenlage, so beeinflusst das auch gleichzeitig die Oktavreinheit. Und justiert man die Oktavreinheit, dann kann das unter Umständen (je nach Bridgekonstruktion) auch die Saitenlage verändern.

Diese sich gegenseitig beeinflussenden Faktoren können die Justierung zwar etwas kniffelig gestalten, aber dennoch ist der Prozess durchaus einfach zu erlernen und mit etwas Routine beginnt er sogar, Spaß zu machen!

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Um die einzelnen Arbeitsschritte zu optimieren, ist es wichtig, die oben genannte Reihenfolge einzuhalten. Es ergibt z.B. keinen Sinn, gleich mit der Einstellung der Oktavreinheit zu beginnen, denn nach einer Änderung der Saitenlage müsste man diese Einstellung erneut vornehmen. Stellt man wiederum die Saitenlage ein und verändert danach die Halskrümmung, so verändert sich die Saitenlage erneut. Auch dies würde zu einem zusätzlichen und unnötigen Arbeitsschritt führen.

Man beginnt also am besten immer mit der Überprüfung der Halskrümmung! Wie das funktioniert, erfahrt ihr im “Step-by-step”-Abschnitt und im Video am Ende dieses Artikels.

Die gute Nachricht ist, dass man bei einem Instrument, das einmal perfekt eingestellt wurde, nur selten die Saitenlage und die Oktavreinheit nachjustieren muss, solange man den gleichen Saitentyp und die gleiche Saitenstärke verwendet. Meistens reicht es hier aus, die Halskrümmung etwas im Auge zu behalten und notfalls zu korrigieren. Ihr seht: Kein Grund zur Panik!

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Halskrümmung beim Bass
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Gibt es die ideale Halskrümmung bei Gitarren und Bässen?

Hier gehen die Meinungen weit auseinander. Manche Gitarrentechniker stellen die Halskrümmung je nach Anschlagsstärke ein, andere – beispielsweise die Köpfe hinter der PLEK-Technologie – sind der Überzeugung, dass es eine optimale Halskrümmung gibt. Hier wird die Anpassung an die Spieltechnik ausschließlich über die Saitenlage vorgenommen.

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Als Anhänger der stilabhängigen Einstellung wird man zunächst einmal identifizieren, welchem Style eine gewisse Priorität zukommt. Ein Akustikgitarrist, der Fingerstyle spielt, wird eine andere Einstellung bevorzugen als ein Slide-Gitarrist. Ein Shredder auf dem Griffbrett braucht ein anderes Setting als ein Stevie-Ray-Vaughan-Jünger. Ein Bassist, der vorrangig die Slaptechnik benutzt, wird eine andere Einstellung bevorzugen als einer, der überwiegend mit dem Plektrum spielt. Werden alle Spieltechniken in etwa gleich behandelt, so gilt es, eine Kompromisslösung zu finden, welche alle Styles einigermaßen gleich gut bedient.

Saitenschnarren vs. gute Bespielbarkeit?

Aber auch die Spielsituation kann auswirkend sein: Will man z. B. im Studio einen möglichst nebengeräuscharmen und schnarrfreien Sound erzielen, wird man eine andere Einstellung wählen als z.B. in einer Live-Situation, in der erhöhtes Saitenscheppern weniger störend auffällt und man sich lieber ermüdungsfrei auf seiner Gitarre oder seinem Bass austoben möchte!

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Wie bei so vielen anderen Dingen im Leben auch, wird man seine persönlichen Präferenzen kaum herausfinden können, ehe man nicht damit beginnt, verschiedene Möglichkeiten selbst auszuloten. Daher möchte ich hier vor allem zunächst einmal Ängste abbauen: Wenn man mit gesunder Vorsicht und etwas Feingefühl an die Sache herangeht, kann man an seinem geliebten Instrument nichts kaputtmachen! Komponenten wie der Halsstellstab (Trussrod), die Bridge und die Saitenreiter sind dafür gemacht, ein Höchstmaß an persönlichem Spielraum auszuloten und im Idealfall immer eine befriedigende Lösung zu erhalten.

Werkzeug zum Hals einstellen
Passendes Werkzeug ist für die Einstellarbeiten absolut unerlässlich!

Wo finde ich den Zugang zum Halsstab an meinem Instrument?

“Um die Halskrümmung einer Gitarre oder eines Basses einzustellen, muss ich an den Halsstab gelangen. Doch wo liegt dieser Zugang überhaupt?”

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Generell unterscheidet man zwei Stellschrauben-Positionen: Entweder am Headstock oder am Halsende bzw. Korpusübergang. Bei vielen Akustikgitarren ist er erst mal überhaupt nicht zu finden. In einem solchen Fall sollte man im Schallloch nachsehen. Ich persönlich favorisiere aus praktischen Gründen die Version am Halsende – vorausgesetzt, dass ein geräumiger Zugang zur versenkten Schraube besteht oder die Stellschraube selbst außerhalb des Halsendes liegt.

Idealerweise kann man die Halskrümmung mithilfe einer Speichenrad-Lochschraube mit einem Metallstift verstellen – zu finden etwa bei den Instrumenten der Firma Music Man. Während bei allen Hälsen mit korpusseitiger Stellschraube die Einstellung mit voll gespannten Saiten erfolgen kann, müssen bei kopfplattenseitig liegenden Stellschrauben häufig die innen liegenden Saiten aus den Sattelkerben gehoben und eventuell entspannt  werden, um den Stellschlüssel effektiv ansetzen zu können.

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Wozu dient der Stellstab im Hals einer Gitarre oder eines Basses?

“Wozu braucht der Hals überhaupt einen Stellstab bzw. eine Stellschiene? Kontrabässe oder Klassikgitarren haben doch auch keine!”

Richtig: ein Kontrabass-Hals besitzt sehr viel Masse, ist also sehr dick – und zudem in Relation zum ganzen Instrument relativ kurz. Im Prinzip reicht er, verglichen mit einem E-Bass oder einer E-Gitarre, quasi nur bis zum 7. Bund – danach läuft lediglich das sehr dicke Griffbrett weiter unter den Saiten über einen soliden Verbindungssockel. Auf diesem weiter über den Kontrabasskorpus schwebend verlaufenden Teil des Griffbretts liegt keinerlei Belastung mehr. Auch Klassikgitarren besitzen ziemlich massive Hälse, die außerdem bereits am 12. Bund am Korpus angesetzt sind. Zudem ziehen Nylonsaiten mit wesentlich weniger Kraft am Holz als die Stahlsaiten der E- und vor allem der Westerngitarren.

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E-Gitarren und -Bässe sind jedoch nur bedingt mit einem Kontrabass zu vergleichen!

Bei E-Gitarren und -Bässen ist der Hals jedoch mit dem Korpus erst direkt am Halsende verbunden, sodass die gesamte Zuglast zwischen Kopfplatte und Steg über die volle Halsstrecke wirkt – und nicht, wie beim Kontrabass, nur auf den unteren Teilbereich des Halses. Daher kommt der Kontrabass ohne zusätzliche Stabilisierungselemente aus, obwohl die Zugspannung der Saiten aufgrund seiner längeren Mensur weitaus höher ist als etwa beim E-Bass.

Der Hals eines E-Basses oder eine E-Gitarre würde ohne zusätzliche Stabilisierung aufgrund seiner geringen Masse und der hohen Zugbelastung durch die Saiten allmählich nach vorne klappen. Traditionell kommt für diese Stabilisierung eine Metallkonstruktion zum Einsatz, welche im Lauf der Jahrzehnte verschiedenen Wandeln bezüglich Design und Konstruktion unterzogen wurde.

Schön und gut, aber dies wirft einige Fragen in den Raum:

Wie kommt der Stellstab in den Hals?

Wandern wir doch einmal zurück in die Frühgeschichte der E-Gitarren und -Bässe, und zwar ins sonnige Kalifornien in den USA zu Beginn der 50er-Jahre. Bekanntlich war Leo Fender der erste Hersteller, der Instrumente dieser Art in der heute bekannten Form in großen Serien und hohen Stückzahlen herstellte. Fender stattete seine ersten Instrumente mit einteiligen Ahornhälsen aus, bei denen das Griffbrett lediglich die abgefräste und flache Halsoberfläche darstellte, in die dann die Bünde eingesetzt wurden. Die Firma Gibson hingegen leimte schon gleich zu Beginn ihrer Produktion Griffbretter auf die Hälse ihrer Instrumente auf – die Company profitierte hier von ihrer langjährigen Erfahrung im Gitarrenbau!

Die Frage, ob ein Hals über ein aufgeleimtes Griffbrett verfügt oder nicht, ist entscheidend dafür, wie ein Stellstab eingesetzt werden kann. Bei Fenders “one piece maple neck”, dem einteiligen Ahornhals, bestehen Hals und Griffbrett aus einem einzigen Stück Holz. Der Stellstab wird daher durch eine Fräsung auf der Rückseite in den Hals eingesetzt, welche anschließend mit einem Holzstreifen wieder verschlossen wird. Da dieser Holzstreifen traditionell häufig aus einem dunkleren Holz besteht (meist Nussbaum), bezeichnet man diesen Streifen häufig als “Skunk Stripe” – eine Parallele zur auffälligen Fellfärbung des nordamerikanischen Streifen-Stinktieres (Skunk).

>>>Warum nicht mal auf zu neuen Ufern? In diesem Video-Workshop zeigt dir der erfahrene Kontrabass-Freelancer Hervé Jeanne (Roger Cicero etc.), wie du die ersten Schritte am Kontrabass meistern kannst!<<<

Hals einstellen: Der einteilige Ahornhals ist nicht das Ende der Entwicklung!

Eine Alternative zum “one piece maple neck” stellt das sogenannte “bi-cut neck” dar. Bei dieser Konstruktion wird der Hals der Länge nach in der Mitte aufgesägt. Dann wird in beide Hälften die Fräsung für den Halsstellstab eingefräst. Im Anschluss werden die beiden Halshälften mit eingefügtem Stellstab unter hohem Druck wieder zusammengeleimt. Ein Vorteil dieser Konstruktion ist, dass der Halstab nahezu unsichtbar eingefügt ist und der Hals eine höhere Stabilität durch die Verleimung erhält. Der Grund: Siese Verleimstelle wirkt stabilisierender als ein einteiliger Hals.

Fast unsichtbar: Aufgeleimte Ahorn-Griffbretter

Die populärere Methode der Griffbrettkonstruktion ist das aufgeleimte Griffbrett. Auch ein vermeintlich “einteilig” aussehender Ahornhals kann durchaus bei näherem Hinsehen ein aufgeleimtes Ahorngriffbrett besitzen. Das Aufleimen eines Griffbrettes bietet diverse Vorteile: Hals und Griffbrett können bei der Herstellung separat bearbeitet werden, die Fräsung für den Halsstellstab kann wesentlich komfortabler und variabler am Hals durchgeführt werden, und die Materialwahl des aufgeleimten Griffbrettes bietet eine gute Möglichkeit zur Klangbeeinflussung des jeweiligen Instrumentes. Und last, but not least, ermöglicht sie auch ein anderes Spielgefühl.

Spannstab Gitarre
Fotostrecke: 5 Bilder Ein Zwei-Wege-Stahlstab vor dem Einbau.
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Wie viel Gewicht wird dem Hals durch den Halsstab hinzuaddiert?

Das ist eine besonders kritische Frage, denn in der Tat wird der Hals durch das Hinzufügen von Metallmasse signifikant schwerer. Das macht bei einer Gitarre etwa 130 Gramm aus, bei einem Bass je nach Bauart und Mensur bis zu 250 Gramm. Neben den Mechaniken an der Kopfplatte ist der Halsstab daher ein ernstzunehmender Punkt bei den Themen Kopflastigkeit – aber auch beim Gesamtgewicht des Instrumentes. Daher werden (zumindest bei teureren Instrumenten) auch mal Stellstäbe aus sehr leichtem und dennoch sehr stabilem Titan verwendet. Sehr flache Hälse werden beizeiten auch schon mal mit doppelten Stellstäben ausgestattet, sogenannten “Twin Trussrods”.

Double Trussrod
Double oder Twin Trussrod bei einem Tobias-Bass

Welchen klanglichen Einfluss hat das Metall im Gitarren- oder Basshals?

Das ist natürlich schwer zu sagen, da es keine Möglichkeit für einen direkten A/B-Vergleich gibt, denn es gibt ja keinen baugleichen Instrumentenhals ohne Stellstab zum Vergleich. Auch Graphithälse ohne Halsstab können für einen Vergleich nicht herangezogen werden, da sie eben nicht aus Holz bestehen. Aber: Metall ist bekanntlich ein weitaus dichteres Material als Holz. Von daher kann man davon ausgehen, dass der Stellstab eine Auswirkung auf die Eigenresonanz des Halses besitzt – und damit auch auf den Klang!

Holzhälse werden übrigens zunehmend mit stabilisierenden Graphitstreifen kombiniert, die wiederum die Klangeigenschaften beeinflussen.

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Wie funktioniert ein Halsstab bei der Gitarre oder beim Bass?

Da die Zugspannung je nach Instrument stark variieren kann (z.B. durch die Verwendung unterschiedlicher Saitenstärken), wäre eine starre Stabilisierung nicht von Vorteil. Außerdem arbeitet der Werkstoff Holz ja ständig, weswegen eingearbeitete Stabilisierungen in Form von Halsstäben stets justierbar sein sollten.

Die ersten Stellstäbe waren runde Metallstäbe, versehen mit einem inneren Gewinde, mit dessen Hilfe der Stab über eine Zugangsschraube am Halsende angespannt werden konnte. Ein Problem dabei ist, eine durchgehend gleichmäßige Spannungsverteilung im Hals zu erzielen. Dass das nicht so einfach ist, beweisen einige Hälse, die statt einer gleichförmigen “Krümmung” eher einen deutlichen “Knick” aufweisen.

Hagström als Vorreiter

Die schwedische Firma Hagström war der erste Hersteller, der begann, seine sehr flachen und zierlichen Hälse mit Aluminiumschienen anstelle von runden Stäben auszurüsten. Die Tatsache, dass eine eckige Schiene bessere Stabilität aufweist als ein runder Stab, erschien manchen Herstellern ebenfalls sinnvoll, und so schwenkten einige auf diese Option um.

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Vintage-Bässe: Alles nur Voodoo?

Bis vor gar nicht allzu langer Zeit waren Stellschienen in der Lage, in nur eine Richtung zu wirken. Der Normalfall ist, dass eine Schiene angezogen oder gelockert wird. Sie zieht jedoch immer einseitig entgegen der Saitenbelastung. Das Problem ist, dass sie selbst im angespannten Zustand den Hals oft nicht ausreichend “strecken” kann. Heutzutage werden die meisten Instrumente mit Stahlstäben ausgerüstet, die in beide Richtungen verstellt werden können.

Bei älteren Instrumenten kann es durchaus vorkommen, dass der Stellstab bzw. die Stellschiene selbst unter hoher Spannung der Halskrümmung nicht mehr ausreichend entgegenwirken kann. Hier müsste theoretisch das Griffbrett abgelöst und neu verleimt werden – eventuell müsste der Hals bei dieser Gelegenheit auch gleich mit einem neuen Stellstab versehen werden. Der Gitarrenbauer hat in solchen hartnäckigen Fällen die Möglichkeit, den Hals in eine beheizbare Vorrichtung einzuspannen und so einer übermäßige Krümmung entgegenzuwirken.

Gitarren Bügeleisen
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Stellschrauben-Probleme bei alten Fender-Instrumenten

Leo Fender war in der Kinderstunde des E-Basses offensichtlich lange Zeit der Annahme, dass man einen einmal fertig justierten Basshals nie mehr nachjustieren müsste. Erst recht nicht war der Gedanke vorhanden, dass ein Musiker eventuell einmal selbst Hand an derartige Arbeiten legen würde. So erklärt es sich, dass man den Zugang zur Halsstellschraube bei vielen frühen Fender-Bässen im Verborgenen ließ. Am Halsende lag die Stellschraube in der Halslasche unterhalb der Korpusdecke. Sie war zwar noch teilweise sichtbar, wurde aber nur zugänglich, wenn man den Hals zuvor abschraubte.

Halsstabzugang Precision Bass
Halb verdeckte Stellschraube bei einem Precision Bass von 1965.

Obwohl diese Eigenart heutige Besitzer von Vintage-Instrumenten richtig nerven kann, sollte man sie zumindest bei E-Bässen fairerweise historisch relativieren: In den frühen Tagen des E-Basses kamen die meisten Bassisten (wie z.B. James Jamerson) ursprünglich vom Kontrabass oder waren “konvertierte” Gitarristen (wie z.B. Carol Kaye).

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Unglaubliche Solobass-Vocal-Performance!

Es gab per se ausschließlich Flatwound-Saiten, und in der Folge dessen waren im Basssound kaum hohe Frequenzen vorhanden, die in der damaligen Musik ästhetisch auch nicht gefordert waren. Häufig wurden darüber hinaus sogar noch ein Schaumstoffdämpfer an der Brücke verwendet. Nebengeräusche dürften daher kaum relevant gewesen sein, sodass eine kontrabassartige Saitenlage und opulente Halskrümmungen kaum jemanden gestört oder verwundert haben dürfte.

Der Edelbass-Boom und seine Folgen …

Erst im Laufe der folgenden 20 Jahre begann sich das Blatt zu wenden, und spätestens der einsetzende Edelbassbau in den 70er-Jahren führte zu einem kompletten Umdenken. In der heutigen Zeit hat sich das Thema Halseinstellung längst als Routinemaßnahme etabliert.

Um den Stellstab einstellen zu können, muss man natürlich Zugang zur Stellschraube haben. Manche Hersteller legen den Zugang komplett frei und gestalten diese Arbeiten dadurch sehr servicefreundlich. Andere wiederum verbergen den Zugang zum Halsstab aus ästhetischen Gründen mit mehr oder weniger hübschen Deckelchen.

Hölzerne Halsstababdeckung
Hölzerne kopfplattenseitige Halsstab-Abdeckung bei einem Ampeg-Bass.

Hälse von Fretless-Bässen unbedingt richtig einstellen!

Fretless-Bässe (aber auch die äußerst seltenen Fretless-Gitarren) “singen” besser mit einem tendenziell eher geraden als mit einem stark gekrümmten Hals. Dabei schlagen die Saiten direkt hinter dem Finger auf das Griffbrett aus und erzeugen einen leichten „Sitar“-Effekt. Hier entscheidet die Klangästhetik in Verbindung mit der Anschlagsstärke.

Nullbund beim E-Bass
Nullbund bei einem Sandberg-Bass. Rechts davon seht ihr den offenen Zugang zum Halsstab.

Wenn die Halsschraube meiner Gitarre oder meines Basses festsitzt

Sollte sich eine Stellschraube nur sehr schwer bewegen lassen, kann es mitunter helfen, die Saiten komplett zu entspannen und es erneut versuchen. Eventuell erst einmal die Schraube minimal lockern und wieder festziehen. Sollte auch das nichts bewirken, kann eventuell ein ernstes Problem mit der Halsverstellschraube vorliegen. In diesem Fall empfiehlt sich dringend der Gang zum Fachmann!

Problemfall “Halsneigung bei Schraubhälsen”

Bei geschraubten Hälsen kann es trotz optimaler Halskrümmung dazu kommen, dass man an der Bridge keine optimale Saitenlage einstellen kann und die Saiten selbst bei extrem hoher oder niedriger Einstellung der Reiter zu flach oder zu hoch erscheinen.

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Peace & Love & Paul McCartney!

Diese hier beschriebenen Phänomene hängen in der Regel mit einem nicht optimalen oder sogar falschen Halswinkel zusammen. Die gute Nachricht: Bei einem Schraubhals “fenderscher” Bauart sind sie tatsächlich leicht zu korrigieren! Der häufigste Fall wird sein, dass die Saitenlage des Instruments nicht niedrig genug eingestellt werden kann. Dazu wird der Hals einfach abgenommen und ein dünner Streifen Furnier ganz vorne in die Halstasche gelegt.

Abrichten der Bundstäbchen

Wenn es trotz optimaler Halskrümmung und Saitenlage dennoch in bestimmten Halsregionen zum Schnarren kommt, so kann dies auch daran liegen, dass die Bünde nicht gleichmäßig hoch bzw. schlecht abgerichtet sind. Sie müssen dann entsprechend neu abgerichtet werden, was wiederum ein Fachmann vornehmen sollte. Etabliert hat sich darüber hinaus das sogenannte computer- und maschinenbasierte PLEK-Verfahren, zu welchem ich mich in dem Workshop über das Einstellen der Saitenlage äußern werde.

Video-Anleitung zum Einstellen der richtigen Halskrümmung

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Bild: Shutterstock / Anna Smirnova

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von Oliver Poschmann

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