Modartt Airteq Test

Der französische Software-Hersteller Modartt hat sich im Bereich des Physical Modeling einen Namen gemacht. Auf Pianoteq für Tasteninstrumente und Organteq zur Emulation von Pfeifenorgeln folgt nun Airteq. Modartt will dabei aber nicht traditionelle Instrumente möglichst realistisch nachbilden, sondern individuelles Sounddesign mithilfe der Physik von Luft und Pfeifen ermöglichen.

Unser Fazit:
4 / 5
Pro
  • Organische Ensembles und Texturen
  • MPE-/Controller-Unterstützung
  • Praktische Library
  • Günstiger Preis
  • Für drei Plattformen und Standalone
Contra
  • Ungewohnte Klangarchitektur
Modartt Airteq: Test.
Physical Modeling für hybride Sounds zwischen Pfeifenorgel und Synthesizer: Modartt Airteq ist ein Tipp für Individualisten.

Airteq basiert auf der eigens von Modartt entwickelten Technologie „Dynamic Aerophone Modeling“ (DAM). Es handelt sich dabei also weder um eine Sample-Library noch um einen klassischen Synthesizer mit Oszillatoren und Filtersektion. Was euch diese akustische Modellierung für die Praxis wirklich bringt, erfahrt ihr in diesem Kurztest.

Wie ihr euch aber vielleicht schon vorab denken könnt: Modartt Airteq ist ein echter Underdog – auf den ersten Blick unscheinbar, aber mit deutlich mehr unter der Haube, als das GUI zunächst vermuten lässt.

Modartt Airteq Highlights

  • Airteq punktet mit einem eigenständigen Klangkonzept, das auf Physical Modeling statt auf Samples setzt.
  • Fokussiert sich auf Sounds für Designer und nicht auf die perfekte Nachbildung klassischer Musikinstrumente – über 170 Preset geben die Richtung vor.
  • Die Software läuft als Plugin und Stand-alone-App auf Windows, macOS und Linux.

Wie entsteht ein Klang bei Modartt Airteq?

Airteq bietet fünf Slots, die ihr mit verschiedenen Klangquellen bestücken und miteinander kombinieren könnt. Insgesamt stehen 21 Stops aus drei Kategorien zur Wahl: Flöten, Zungenpfeifen und Mixtura. Die Auswahl erinnert an Modartts Organteq, allerdings müsst ihr euch von der Vorstellung traditioneller Instrumente lösen.

Modartt Airteq: Models.
Modartt Airteq bietet bis zu fünf Slots, die mit typischen Pfeifenorgeln beziehungsweise Orgelregister belegt werden können.

So klingt die Trompete mehr wie ein Orgelregister als nach einem Blechblasinstrument. Ihr solltet die fünf Pipe-Slots tatsächlich als kombinierbare Pfeifenorgel verstehen. Mit dem „Air“-Parameter variiert ihr jeweils den Charakter – solche klanglichen Veränderungen sind nicht mit einem Synthesizer-Filter zu erreichen.

Fester Bestandteil der Klangerzeugung von Airteq ist die Modulation. Hierfür gibt es klassische, tempo-synchronisierbare LFOs und Hüllkurven. Ihr könnt damit dynamische Sounds erzeugen und sie während des Spiels kontinuierlich verändern – sphärische Drones und lange, pulsierende Flächen wirken hier sehr lebendig.

Modartt Airteq: Macros.
Für Synth-User ist nicht alles neu: Modartt Airteq verfügt über LFOs, Hüllkurven und Macros.

Wie lässt sich das virtuelle Instrument von Modartt bedienen?

Die Idee hinter Airteq ist im Grunde ganz einfach: Ihr wählt einen Pfeifentyp aus, formt die Luftversorgung, fügt Modulationen hinzu, definiert Controller und verfeinert den Basisklang mit einem Effekt. Am besten startet ihr mit dem Init-Programm und nutzt dabei erstmal nur einen Slot, an dem ihr verschiedene Modulationen ausprobiert. Es kommt hier mehr auf die Erfahrung an – besonders komplex ist die Klangerzeugung nicht.

Modartt Airteq: Init.
Mithilfe eines Init-Programms lässt sich Airteq erforschen und später besser verstehen.

Das Plugin ist bei der Installation gerade einmal 50 MB schwer, beansprucht die CPU aber trotzdem generell mehr als ein Sample-Player. Auf meinem MacStudio M1 lief dennoch alles flüssig. Überhaupt ist es ziemlich vorbildlich, dass Modartt eine Plugin- und Standalone-Version für Windows, macOS und Linux anbietet.

Gibt es Extras und Effekte bei Airteq?

Extras gibt es bei Airteq durchaus: Die frei zuweisbaren Macros vereinfachen beispielsweise den Performance-Einsatz, während Freeze eine nützliche Preset-Management-Funktion darstellt. Sie behält bestimmte Parameter bei, wenn ihr zu einem anderen Preset schaltet.

Wenn ihr gern mit Drones experimentiert, kommen euch die verschiedenen Sustain-Modi entgegen – bestimmte Noten werden automatisch gehalten, während ihr neue Noten hinzu spielen könnt.

Modartt Airteq: Reverb.
Modartt Airteq ist mit einem guten und vielseitigen Reverb ausgestattet.

Klassische Modulationseffekte wie Chorus oder Phaser gibt es nicht – sie fehlen an dieser Stelle aber auch nicht. Airteq bietet dafür nämlich einen sehr flexiblen und gut klingenden Faltungshall mit verschiedenen Raumtypen. Ihr könnt aber auch eigene WAV-Impulsantworten importieren. Ich persönlich greife für mehr Sounddesign allerdings lieber auf meine Lieblings-Reverb-Plugins zurück.

Modartt Airteq – zwischen akustisch und elektronisch

Airteq möchte unique sein – das zeigt sich auch an der über 170 Preset schweren Library. Die Presets sind in drei Kategorien unterteilt: Natural Pipes, Cinematic Textures und Electronic Music. Bei Modartt Airteq überzeugen die polyphonen Pads, die Ensemble-Sounds und die Texturen mehr als Soloklänge. 

Modartt Airteq: Presets.
Der Preset Browser von Modartt Airteq lässt Musiker nicht im Stich.

Sphärisch, hauchend und atmend – der Sound von Airteq lebt und findet vor allem in ambienten oder cineastischen Arrangements Platz. Überrascht haben mich auch verschiedene rhythmische Klänge, die selbst ohne Arpeggiator gut funktionieren. Zur Simulation von Flöten, Trompeten oder anderen klassischen Bläsern gibt es aber bessere Lösungen.

Modartt Airteq: Control.
Modartt Airteq ist offen für viele Controller und lässt sich auch dynamisch per MIDI spielen.

In der Library gibt es häufig mehrere Versionen eines Klangprogramms – jeweils angepasst an MPE- oder Breath-Controller. Die Presets lassen sich aber auch mit gewöhnlichen Controller-Keyboards gut spielen. Ich für meinen Teil konnte sofort meine Favoriten ausfindig machen. Hören könnt ihr sie in den 14 Audio-Demos. Dort habe ich sie live eingespielt – mit ein wenig Modulationsrad-Einsatz.

Gibt es Alternativen zu Airteq?

Inzwischen bietet der Markt diverse kommerzielle Instrumente mit Physical Modeling. Die meisten dieser Plugins konzentrieren sich aufs Modellieren von Saiten, Membranen, Balken, Platten oder Röhren – so wie der AAS Chromaphone 3. Bei der Simulation von akustischen Blasinstrumenten spielt die Firma Audio Modeling zwar auch weit vorne mit, dafür ist Modartt Airteq wiederum ein Freigeist für erfinderische Klangfarben.

Audio Samples
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Tidal Breath Bowed Ensemble Sharp Plucks Selg Evolving Drone Rlyeh Canyon Minimal Pad Air Flow Eclipse Huge Space Happy Pipes Polyphase Xenon Sequence Versatile Bass

Wenn es ein Desktop-Synthesizer sein darf, kommt der Erica Synths Steampipe in Frage – er ist klanglich ähnlich ausgerichtet wie Airteq. Das Plugin von Modartt kostet allerdings rund 1.000 Euro weniger und bietet sowohl mehr Presets als auch mehr Stimmen. Wenn man sich die gesamte Marktsituation anschaut, erweist sich Airteq tatsächlich als exklusives Produkt ohne direkte vergleichbare Alternativen.

FAZIT Airteq

Die Hörbeispiele zeigen deutlich: Airteq ist kein Allrounder, sondern ein eigenständiges Physical-Modeling-Instrument für organische, bewegungsreiche, cineastische und experimentelle Sounds. Mit einem MPE- oder Wind/Breath-Controller lassen sich diese besonders ausdrucksvoll spielen. Die mitgelieferte Library verhilft zum schnellen und einfachen Start in eigene Projekte. Wer tiefer ins Modeling eintauchen möchte, sollte aber durchaus ein bisschen Freude und Geduld beim Experimentieren mitbringen.

Merci beaucoup nach Frankreich für ein Konzept, das sich gekonnt von den zahlreichen 08/15-Plugins abhebt. Modartt Airteq ist ein Instrument, das sich ambitionierte Soundkünstler nicht entgehen lassen sollten. Die Demo-Version lässt sich ausführlich testen, und auch der Preis stimmt.

  • Software-Synth mit Physical Modeling für bläser-/orgelartige Klänge
  • Ab Windows 10, macOS 11 (M1 Support), Linux (x86 und ARM), Online-Aktivierung, VST, VST3, AU, AAX, Standalone.
  • WEBSEITE: modartt.com/airteq_overview
  • PREIS: 99 Euro (Straßenpreis vom 25.09.2026)
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