Ohne zu übertreiben, gehören Metal und seine stilistischen Verwandten wohl zu jenen Richtungen, die seit jeher auf uns Schlagzeuger eine enorme Faszination ausüben. Neben der musikalischen Aggressivität, den oft kritisch-eindeutigen Texten und entsprechenden Band-Images sind es besonders der spielerische Druck und die souveräne Geschwindigkeit, durch die sich Trommler wie Dave Lombardo, Joey Jordison, Ray Luzier, Eloy Casagrande und Greyson Nekrutman von der Masse abheben.
Kommen dann noch aberwitzig komplexe Songstrukturen und Groove-Konstruktionen wie bei Animals As Leaders-Trommler Matt Garstka dazu, fragt man sich, warum Metal von vielen Musikern immer noch als eindimensionaler Stil bezeichnet wird. Auch wenn es sich hier im bonedo Crash-Kurs nicht um vertrackte Arrangements dreht, gibt’s trotzdem ordentlich was auf die Mütze.

- Quick Facts: Metal Drums – kurz zusammengefasst
- Metal Drumming – Wo wurde es erfunden?
- Wodurch unterscheidet sich Metal Drumming von anderen Stilen?
- Mit dem Thrash Metal wurde Metal noch schneller und „perfekter“
- Höher, schneller, weiter: Extreme Metal erfordert viel Training
- Dass manche Metal-Trommler ihre Übungseinheiten als Workouts oder Training bezeichnen, kommt nicht von ungefähr…
- Das Equipment – Was ihr für Metal Drumming braucht
- Der Song
- Verwendetes Equipment
- Das Metal Play-Along zum Mitspielen
Quick Facts: Metal Drums – kurz zusammengefasst
Metal Drumming – Wo wurde es erfunden?
Die Ursprünge des Metal liegen im wirtschaftlich angeschlagenen England der 70er Jahre. Aus Elementen des Punk, Hardrock und Blues entwickelte sich damals ein neuer Stil. Seine Kennzeichen waren eine Mischung aus der der rohen Energie des Punk, kombiniert mit den spieltechnischen Ansprüchen des Hardrock, welcher wiederum von Bands wie Black Sabbath, Led Zeppelin und Deep Purple repräsentiert wurde.
1979 rief der Chefredakteur des Sounds-Magazins die „New Wave of British Heavy Metal“ aus. Zu der gehörten Bands wie Iron Maiden, Judas Priest, Saxon, Diamond Head und Def Leppard. Die Drummer dieser Bands gelten als Pioniere des Gesamt-Genres Metal und werden bis heute von Drummern und Fans verehrt. Die Frage, woher die Bezeichnung kommt, ist übrigens ungeklärt. Einige meinen, sie wäre inspiriert von der Stahlindustrie Birminghams, der Heimatstadt vieler Bands.

Wodurch unterscheidet sich Metal Drumming von anderen Stilen?
Wie auch beim Punk, bildet das Schlagzeug im Metal einen konstanten Puls, Bassdrum(s) und Snare bilden das rhythmische Fundament aller Metal-Varianten. Allerdings hat man den Pionieren des Metal Anfang der 70er Jahre noch deutlich angemerkt, dass ihre Wurzeln im Blues, Jazz und Rock’n’Roll lagen. Ian Paice von Deep Purple besaß einen prägnanten Swing, dasselbe kann von Rockdrummer-Legende John Bonham oder Nicko McBrain (Iron Maiden) ebenfalls behauptet werden. Bevor Rick Allen, der Def Leppard-Drummer, bei einem tragischen Autounfall seinen linken Arm verlor, spielte er Traditional Grip, also die Stockhaltung der Jazzdrummer.
Die Kernelemente des Trommelstils sind jedoch der kompromisslose Puls, die absolute Lautstärke sowie die deutlich eingeschränkte Dynamik. Ebenfalls charakteristisch sind auch die Breaks, Geschwindigkeitswechsel und – je nach Ära und Band – der Einsatz einer zweiten Bassdrum oder eines Doppelpedals. Damit wurde es möglich, Gitarrenläufe unisono mit Bassdrums „anzudicken“ und deutlich aggressiver und mächtiger wirken zu lassen.
Mit dem Thrash Metal wurde Metal noch schneller und „perfekter“
Mit seiner Band Metallica war Lars Ulrich einer der ersten, die Double-Bassdrums im Metal eingesetzt haben, außerdem gilt er als einer der ersten Trash-Metal-Drummer. Anfang der 80er Jahre erfunden, legte Thrash Metal in Sachen Geschwindigkeit noch eine Schippe drauf. Lars Ulrich ist übrigens auch deswegen interessant, weil sein Spiel auf Alben wie „…And Justice For All“ vom Produzenten stark editiert wurde, was wiederum zu Diskussionen bezüglich seiner Fähigkeiten führte. Bis heute ist das Netz voll von hämischen Videos, die Lars’ mangelnde Qualifikation belegen sollen. Ob das alles gerechtfertigt ist, sei mal dahingestellt, Fakt ist jedoch, dass sich im Metal seitdem das nachträgliche Perfektionieren durchgesetzt hat. In keiner anderen Musikrichtung wird das Schlagzeug heute so selbstverständlich editiert, „geradegezogen“ und klanglich angepasst wie im Metal.
Höher, schneller, weiter: Extreme Metal erfordert viel Training
Während sich in den 90er Jahren Speed Metal, Grindcore, Black Metal und Death Metal etabliert haben, gilt heute der Extreme Metal als Maßstab für Geschwindigkeit und Kontrolle. Körperliche Workouts, Disziplin und das Erzielen maximaler Geschwindigkeit gehen hier eine Symbiose ein. Der bekannteste Extreme-Metal-Groove ist sicherlich der Blastbeat, den es in verschiedenen Variationen gibt. Um den exakt und ausdauernd zu spielen, benötigt ihr intensives Training und klare Übungspläne. Präzision und klare BPM-Ziele sind hier essentiell, um Fortschritte zu machen. Für Einsteiger ist das vielleicht noch nichts, die Info darf jedoch in einem Workshop über Metal Drumming natürlich nicht fehlen.
Dass manche Metal-Trommler ihre Übungseinheiten als Workouts oder Training bezeichnen, kommt nicht von ungefähr…
Abgesehen davon, dass es in kaum einer anderen Musikrichtung so viele verschiedene Strömungen gibt wie im Metal, müsst ihr euch im Klaren darüber sein, dass eben auch keine andere Musikrichtung eine derart konstante Power erfordert, ohne dabei die notwendige Präzision zu vernachlässigen. Dass manche Metal-Trommler ihre Übungseinheiten als Workouts oder Training bezeichnen, kommt nicht von ungefähr, denn es gibt kaum einen Stil, in dem Instrumentenbeherrschung und körperliche Fitness so sehr ineinander greifen. Metal-Uhrwerk Gene Hoglan (Death, Strapping Young Lad) schnallt sich im Alltag – laut eigener Aussage – Bleigewichte an seine Doc Martens, um schneller und kraftvoller spielen zu können.
Aber keine Angst, eine derartige Spezialvorbereitung braucht ihr für unser Play-Along weiter unten im Artikel nicht. Hier handelt es sich um eine moderat schnelle Mischung aus Hardrock und Metal, die auch für diejenigen von euch zu bewältigen sein wird, die noch nicht so lange dabei sind. Und selbstverständlich könnt ihr euch auch auf eurem Doppelpedal (oder zwei Bassdrums!) austoben!
Das Equipment – Was ihr für Metal Drumming braucht
Wenn ihr euch dem Thema Metal Drumming gerade erst annähert, müsst ihr natürlich nicht sofort neues Equipment kaufen, um authentisch zu klingen. Da wir es mit einem Stil zu tun haben, der eine gewisse Genauigkeit und später auch höhere Geschwindigkeiten erfordert, solltet ihr jedoch sicherstellen, dass eure grundlegenden Voraussetzungen passen. Spielt also Drumsticks, mit denen ihr gut klar kommt, verwendet einen stabilen, wackelfreien Drumhocker in der passenden Sitzhöhe und stellt eure Fußmaschine so ein, dass sie möglichst widerstandsfrei läuft. Diese drei Faktoren sind gerade bei Metal wichtig, denn sämtliche Reibungs- und Kraftverluste wirken sich bei dieser sehr körperlichen Spielweise besonders negativ aus. Wenn ihr hier gut aufgestellt seid, lohnt es sich, euren Sound zu optimieren. Hier kommen ein paar Tipps.

Diese Bassdrum-Felle unterstützen einen fetten Sound
Ein moderner Metalsound steht und fällt mit dem Klang der Bassdrum. Besonders beliebt ist ein klarer, präsenter Anschlagsound, kombiniert mit einem kurzen, bassigen Kesselton. Optimal dafür eignet sich die Kombination aus einem vorgedämpften, tief gestimmten Schlagfell sowie einem vorgedämpften Resonanzfell mit Luftloch. Damit kann die Luft nach dem Schlag schnell entweichen, wodurch das Pedalgefühl kontrolliert bleibt. Für schnelles Spiel empfiehlt sich dazu noch zusätzliche Dämpfung innerhalb des Kessels, zum Beispiel mithilfe passender Dämpfkissen. Tipp: Um den Attack eurer Bassdrum zu unterstützen – und um euer Schlagfell zu schützen – solltet ihr unbedingt den beiliegenden Schlägel-Patch verwenden.
Mehr Attack: Der Bassdrum-Beater macht den Unterschied
Wo wir gerade beim Attack sind: Der passende Beater kann einen enormen Unterschied bei Sound und Spielgefühl eurer Bassdrum machen. Je härter die Schlagfläche, desto mehr Attack erhaltet ihr. Plastik, Holz und Leder sind ideal für einen aggressiveren Bassdrum-Sound geeignet. Diese Beater sorgen für Kontrolle und Druck!
Je kräftiger ihr spielt, desto haltbarer sollte euer Snarefell sein
Anders als viele annehmen, bedeutet Metal nicht gleich „Geprügel nonstop“, allerdings dürfte es insgesamt bei lauterer Spielweise zu mehr Verschleiß bei den Fellen kommen. Selbstverständlich funktioniert euer einlagiges Standardfell auch bei Metal, wenn ihr jedoch einen etwas kontrollierten Ton mit erweiterter Haltbarkeit verbinden möchtet, lohnt sich ein Blick auf doppellagige, dickere Felle oder Felle mit Verstärkungspunkt in der Mitte.
Tief und druckvoll sollte es auch bei den Toms zugehen
Was für die Bassdrum und Snaredrum gilt, trifft bei Metal auch auf die Toms und Floortoms zu. Angesagt ist ein durchsetzungsstarker, klarer Attack, gefolgt von einem Ton, der sich eher im tieferen Bereich der jeweiligen Größe befindet. Dafür sind wiederum doppellagige Felle ideal geeignet, denn sie reduzieren von Natur aus den Anteil höherer Obertöne.
Der Song
Von den drei Teilen unseres Hardrock/Metal-Play-Alongs beinhaltet der erste einen zweitaktigen Groove, den ich mit Viertelnoten auf der halboffenen Hi-Hat begleite. Die Snare spiele ich wie üblich auf der „Zwei“ und „Vier“, während die Bassdrum im ersten Takt den Gitarrenpart auf den Zählzeiten „Eins“, „Zwei und“, „Drei“, „Drei und“ sowie „Vier und“ unterstützt. Im zweiten Takt „fehlt“ die Eins, stattdessen landet die Bassdrum hier auf der „Eins und“.
Im zweiten Part verwende ich einen klassischen Four-Beat-Snare-Groove, um dem veränderten Gitarrenlauf Schmackes zu verleihen. Statt der Hi-Hat spiele ich jetzt Achtelnoten auf dem Ridebecken, während es sich die Bassdrum auf der „Eins“, der „Drei und“ sowie der „Vier und“ gemütlich macht. Die Zählzeit „Eins“ betone ich abwechselnd mit einem Crash und einem gelöcherten O-Zone Crash.
Diese beiden Parts wiederholen sich zweimal, wobei ich das Ende in der zweiten Wiederholung variiere. Während die erste Hälfte des Four-Beat-Snare-Grooves erhalten bleibt, spiele ich in der zweiten Hälfte drei Crashbecken-Abschläge, die wieder der Gitarre folgen. Sie passieren auf „Drei“, „Drei de“ sowie „Vier und“.

Der Doublebass Breakdown Part
Zugegeben, so ganz einfach ist unser Doublebass-Teil nicht, aber wenn ihr ihn gemeistert habt, seid ihr für viele weitere charakteristische Anwendungen gerüstet. Und so funktioniert unser Part: Während sich die Snaredrum ganz konventionell auf der „Zwei“ und der „Vier“ einsortiert, läuft das Ride einfach auf den Achteln weiter, genau wie im Part vorher. Spannend wird es jetzt bei den Bassdrums, deren Figur folgende Zählzeiten besetzt: „Eins“, „Eins e“ sowie „Eins und“. Es folgt, direkt nach der Snare, die „Zwei e“ und danach vier zusammenhängende Kicks auf den Zählzeiten „Zwei de“, „Drei“, „Drei e“ sowie auf „Drei und“.
Als Rechtsfüßer verteile ich die Bassdrums nach dem folgenden Schema: RLR – R – LRLR. Die Tatsache, dass der rechte Fuß fast immer auf den Vierteln landet, fühlt sich für mich gut an, ihr dürft aber trotzdem gerne experimentieren, denn manchmal funktionieren auch zunächst unlogisch wirkende Fußsätze erstaunlich gut.

Und so hört sich das Ganze bei mir an:
Beginner-Tipp
Metal lebt vom präzisen Ineinandergreifen aller Instrumente, und der Garant dafür ist ein stabiler Puls. Macht also nicht den Fehler, euer Doppelpedal als Zentrum eures Spiels zu betrachten, sondern konzentriert euch immer zuerst auf eure „Führhand“, also Hi-Hat- und Ride-Arbeit. Wenn es dort „wackelt“, wird zwangsläufig auch euer Bassdrum-Spiel unsauber klingen. Spielt daher zu allen Bassdrum-Übungen einen Puls mit den Händen, damit ihr eure Ergebnisse auch in der Band anwenden könnt. Wie bei allen Play-Alongs gilt auch hier: vereinfacht euer Spiel, wenn die Dinge noch nicht so klappen wie gewünscht. Kommt euch der Doublebass-Teil noch zu schwer vor, spielt den Track zunächst mit durchgehender 16tel-Bassdrum und übt den Originalpart schön langsam ohne Musik.
Profi-Tipp
Wenn ihr euch im Ablauf sicher fühlt, solltet ihr euch zum Ziel setzen, so präzise wie nur irgend möglich zu spielen. Insbesondere die Bassdrum-Schläge sollten den Gitarrenlauf möglichst „maskieren“, also exakt drauf sitzen. Sicherlich wisst ihr, dass ein Großteil heutiger Metal-Produktionen nachträglich „begradigt“ wird, um eine, vom Publikum heutzutage erwartete, maschinenähnliche Soundästhetik zu erzielen. Nehmt das aber nicht zum Anlass, euch zurück zu lehnen nach dem Motto „muss ich nicht so genau üben, wird im Studio ja sowieso gerade gerückt“. Wenn ihr die Parts im Griff habt, könnt ihr unser Play-Along natürlich auch mit Fills verzieren.
Verwendetes Equipment
Ich behaupte, dass man mit jedem Set Metal spielen kann, auch wenn man meistens große Kits mit vielen Toms, zwei Bassdrums und massenhaft Becken sieht. Es hilft bei schneller und gleichzeitig druckvoller Spielweise natürlich, mehr als ein Crash sein Eigen zu nennen, weil es die Wege verkürzt und größere Sound-Vielfalt schafft. Dass man Metal aber auch mit kleinen vierteiligen Sets spielen kann, beweist nicht zuletzt Billy Rymer von Dillinger Escape Plan.
Mein für das Play-Along verwendete Kit ist sogar noch kleiner, denn ich habe auf Tom-Fills verzichtet. Ebenso wurde nichts begradigt oder geschnitten, auch habe ich keine Trigger verwendet. Ihr könnt euch also drauf verlassen, dass der Sound rein akustisch zustande gekommen ist. An Trommeln hört ihr eine Wahan Buche Bassdrum in 20×17 Zoll und eine Noble & Cooley Snare, dazu eine alte Sabian Hand Hammered Hi-Hat in 14 Zoll, ein Bosphorus Black Pearl Crash in 19 Zoll, ein Sabian HHX O-Zone Crash in 18 sowie ein Armoni Ride in 20 Zoll.
Viel Spaß bei der Metallverarbeitung!

Das Metal Play-Along zum Mitspielen
Jetzt könnt ihr euch selbst am Play-Along austoben. In der ersten Version hört ihr den Click nur als Einzähler, in der zweiten läuft er komplett mit.
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