Die Formation um Frontman Dave Grohl gehört zu den größten und erfolgreichsten Rockbands des 21. Jahrhunderts. Nachdem Dave Grohl 1994 das Projekt Foo Fighters zunächst im Alleingang gegründet hatte, formierte sich daraus schnell eine komplette Band. Ununterbrochen seit 1995 dabei ist Bassist Nate Mendel neben Dave Grohl – damit ist der heute 57jährige eines der wenigen Bandmitglieder der ersten Stunde. Nate besticht durch perfektes songdienliches Bassspiel, da er stets eine überaus gelungene Balance zwischen „Brot und Butter“-Basslines und kleinen Highlights wahrt. Das kann man auch hervorragend an einem der größten Hits der Foo Fighters sehen: „The Pretender“. Der Track steht wie eine Blaupause für alles, was die Band ausmacht: Handgemachte, rohe Rockmusik, unbändige Energie, abwechslungsreiche Arrangements und – darin verpackt – immer wieder kleine rhythmische Herausforderungen.

„The Pretender“ – Originalvideo
Zum Reinhören gibt es hier immer das Original im Video:
„The Pretender“ – Rhythmik
Das Tempo von “The Pretender” – übrigens einem der erfolgreichsten Titel der Band überhaupt – ist mit satten 175 bpm ziemlich sportlich, andererseits für das Genre ja auch nicht unüblich. Zum Glück haben wir es hier mit grundsoliden Rockachteln zu tun – egal, ob nun als Breaks im Vers oder als durchgespielte Noten. So lange es dabei bleibt, sollte das Tempo also niemanden vor allzu große Herausforderung stellen.
Das rhythmische Highlight finden wir fraglos im Chorus des Songs: Hier werden die Schwerpunkte, auf denen üblicherweise die Akkordwechsel stattfinden, von den Zählzeiten 1 und 3 auf die 2 und 4 verschoben. Dieser Schachzug erzeugt kurzzeitig Verwirrung, sorgt Spannung und somit auch für Dynamik.
Welches Tonmaterial findet für die Bassline von „The Pretender“ Verwendung?
Hier gibt es nicht wirklich viel zu berichten, was in diesem Fall grundpositiv zu verstehen ist: Nate Mendel hält sich zum größten Teil an den Grundton der jeweiligen Akkorde. In einer Band mit drei Gitarristen ist dies häufig tatsächlich die beste Wahl, um sich im Mix zu behaupten.
Die einzige Abweichung finden wir im „Rock’n’Roll“-Part des Songs, der gegen Ende noch einmal wiederholt wird. Hier spielt Nate chromatische Überleitungen vom Akkord A zu D und wieder zurück.
Wie kommt der Basssound von „The Pretender“ zustande?
Nate Mendel bevorzugt generell einen cleanen Grundsound, da mit drei Gitarren bereits ausreichend Verzerrung am Start ist. Der Bass würde sich nur im Mix verlieren, wenn Nate sich hier anschließen und auch den Bass verzerren würde. Nates Hauptinstrument ist sein 1971 Fender Precision Bass, auf welchem auch sein Signature-Modell von Fender basiert, welches er ebenfalls häufig nutzt.
Im Video ist jedoch ein P-Bass aus dem Hause Lakland zu sehen. In einem Interview erwähnte Nate, dass er diesen nahezu für die kompletten Aufnahmen des Albums benutzt hat, insofern gehe ich davon aus, dass das Modell auch für „The Pretender“ zum Einsatz kam.
Nates bevorzugte Vollröhren-Amps und 8x10er-Bassboxen kommen schon seit langer Zeit von der Company Ashdown. Die Briten haben ihm auch das NM2 Double Distortion Signature-Pedal an den Leib geschneidert. Welches Equipment genau bei der Aufnahme von „The Pretender“ verwendet wurde, vermag ich natürlich nicht zu sagen. Fraglos haben wir es hier aber mit einem rund-homogenen und leicht komprimierten P-Bass-Sound zu tun – herrlich!
Die Foo Fighters legen großen Wert auf Authentizität, daher „riecht“ dieser Sound im Grunde nach einer mikrofonierter Bassbox – er könnte theoretisch aber auch auf anderem Wege erreicht worden sein, etwa durch einen Preamp, Kompressor etc. bzw. sogar durch Plugins, was ich aber in diesem Fall für kaum wahrscheinlich halte. Auch, dass Nate grundsätzlich mit Plektrum anschlägt und daher viel Attack besitzt, trägt natürlich ebenfalls zum satten Sound bei.

„The Pretender“ – Transkription
Ich habe euch den zweiten Vers und ersten Chorus aufgenommen, die exemplarisch für die folgenden Parts stehen, in denen Nate nur wenig variiert. Zudem habe ich für euch die „Rock’n’Roll Bassline“ aus der Bridge aufgeschrieben, die auch noch mal am Ende zum Einsatz kommt.
Viel Spaß und bis zum nächsten Mal, euer Thomas Meinlschmidt

























