Alben, an denen Bands zerbrachen: 5 legendäre Platten vor dem großen Knall

Große Alben entstehen nicht immer in großer Harmonie. Hinter einigen der bekanntesten Platten der Musikgeschichte stehen kreative Machtkämpfe, persönliche Krisen und Beziehungen, die längst nicht mehr funktionierten. Manche Bands hielten danach noch eine Weile zusammen, andere standen praktisch schon vor dem Aus. Diese fünf Alben zeigen, wie nah musikalischer Erfolg und das Ende einer Band manchmal beieinanderliegen.

Warner Bros. Records, Public domain, via Wikimedia Commons, digboston, CC BY 2.0 https://creativecommons.org/licenses/by/2.0, via Wikimedia Commons, Bruce Baker, CC BY 2.0 https://creativecommons.org/licenses/by/2.0, via Wikimedia Commons, Acroterion, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons, Capitol Records / Henry Grossman, Public domain, via Wikimedia Commons

The Beatles: Warum wurde „Let It Be“ zum Anfang vom Ende?

Eigentlich sollte Let It Be genau das Gegenteil eines Abschiedsalbums werden. Anfang 1969 wollten die Beatles wieder näher zusammenrücken und zu ihren musikalischen Wurzeln zurückfinden. Weniger Studiotricks, weniger endlose Feinarbeit, mehr gemeinsames Spielen. Das Projekt trug zunächst den passenden Titel Get Back. Die Idee war gut. Der Zeitpunkt eher nicht.

Paul McCartney versuchte, die Sessions zu strukturieren und die Band anzutreiben. George Harrison fühlte sich zunehmend eingeschränkt und wollte mit seinen eigenen Songs ernster genommen werden. John Lennon wiederum entfernte sich musikalisch und persönlich immer stärker von der gemeinsamen Arbeit. Schließlich verließ Harrison die Band während der Proben sogar vorübergehend.

Dass die Sessions von Kameras begleitet wurden, machte die Situation zusätzlich besonders. So entstand kein geschöntes Making of, sondern ein ungewöhnlich genauer Blick auf vier Musiker, die noch gemeinsam Songs spielten, obwohl ihre Vorstellungen von der Zukunft längst auseinanderliefen. Ganz verschwunden war die alte Chemie allerdings nicht. Das berühmte Rooftop Concert auf dem Dach des Apple Gebäudes in London zeigte die Beatles noch einmal als funktionierende Liveband. Es wurde ihr letzter gemeinsamer öffentlicher Auftritt und zählt heute gerade deshalb zu den ikonischsten Momenten ihrer Karriere.

Nach den Sessions wurde das Projekt zunächst nicht veröffentlicht. Stattdessen nahmen die Beatles noch Abbey Road auf. Später überarbeitete Produzent Phil Spector Teile des Let It Be Materials, was vor allem Paul McCartney wenig begeisterte. Selbst bei der Fertigstellung des Albums blieb die Harmonie also überschaubar. Als Let It Be im Mai 1970 schließlich erschien, war die Band praktisch bereits Geschichte. Aus dem geplanten Zurück zu den Wurzeln wurde so unfreiwillig der Soundtrack einer Trennung. Popgeschichte kann ziemlich präzise Ironie liefern.

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Pink Floyd – „The Final Cut“: der Titel war Programm

Schon der Name lässt wenig Raum für Optimismus. The Final Cut erschien 1983 und wurde das letzte Pink Floyd Album mit Roger Waters. Zu diesem Zeitpunkt war die berühmte Besetzung der Band allerdings ohnehin nur noch teilweise vorhanden. Richard Wright war bereits nicht mehr reguläres Mitglied. Roger Waters hatte gleichzeitig immer mehr Kontrolle über Songwriting und Konzept übernommen. Vor allem zwischen Waters und David Gilmour waren die Vorstellungen darüber, was Pink Floyd überhaupt noch sein sollten, zunehmend unterschiedlich.

Bei The Final Cut wurde dieses Ungleichgewicht besonders deutlich. Waters schrieb nahezu das gesamte Material und prägte Inhalt sowie musikalische Richtung des Albums. Seine Texte beschäftigten sich stark mit Krieg, Verlust und Politik. Gilmour spielte weiterhin eine wichtige Rolle als Gitarrist und Sänger, hatte kreativ jedoch deutlich weniger Einfluss als auf früheren Pink Floyd Platten. Das Resultat klingt entsprechend persönlich. The Final Cut wirkt an vielen Stellen weniger wie die Arbeit einer klassischen Band und mehr wie ein Roger Waters Projekt, bei dem zufällig noch Pink Floyd auf dem Cover stehen.

Musikalisch besitzt das Album trotzdem zahlreiche starke Momente. Gleichzeitig lässt sich kaum überhören, dass die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe an einem Endpunkt angekommen war. Nach der Veröffentlichung entstand kein weiteres gemeinsames Studioalbum mit Waters. Er verließ Pink Floyd einige Jahre später und ging davon aus, dass damit auch die Geschichte der Band abgeschlossen sei.

David Gilmour und Nick Mason hatten allerdings offenbar eine andere Definition von abgeschlossen. Sie führten Pink Floyd weiter, woraufhin ein langwieriger Streit über den Namen und die Zukunft der Gruppe folgte. Die Band existierte also weiter, aber jene Formation, die Alben wie The Dark Side of the Moon, Wish You Were Here und The Wall geprägt hatte, war endgültig Geschichte.

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Fleetwood Mac – „Tango in the Night“: Makelloser Pop, brüchige Band

Mit Tango in the Night gelang Fleetwood Mac 1987 noch einmal eines der erfolgreichsten Alben ihrer Karriere. „Little Lies“, „Everywhere“, „Big Love“ und „Seven Wonders“ wurden internationale Hits. Die Produktion klingt elegant, detailreich und beinahe makellos. Was bei Fleetwood Mac traditionell bedeutet, dass hinter den Kulissen wahrscheinlich einiges los war.

Ursprünglich hatte Lindsey Buckingham an Material für ein Soloalbum gearbeitet. Daraus entwickelte sich schließlich ein neues Fleetwood Mac Projekt. Buckingham übernahm einen großen Teil der Produktionsarbeit und prägte den Sound der Platte entscheidend. Die Band funktionierte zu diesem Zeitpunkt allerdings längst anders als noch zehn Jahre zuvor bei Rumours. Stevie Nicks hatte inzwischen eine erfolgreiche Solokarriere aufgebaut und war während der Produktion nicht durchgehend präsent. Auch die übrigen Mitglieder brachten ihre eigenen Projekte und persönlichen Probleme mit ins Studio.

Buckingham wurde dadurch immer stärker zum musikalischen Architekten des Albums. Er arbeitete intensiv an Arrangements, Sounds und Details und verband die sehr unterschiedlichen Beiträge der Band zu einem erstaunlich geschlossenen Ganzen. Christine McVie liefert mit „Everywhere“ und „Little Lies“ einige der elegantesten Popsongs der Bandgeschichte. Stevie Nicks bringt ihre unverwechselbare Stimme und Atmosphäre ein. Buckingham wiederum sorgt dafür, dass alles wie ein gemeinsames Fleetwood Mac Album klingt.

Doch für Buckingham hatte die jahrelange Zusammenarbeit auch emotional ihren Preis. Besonders die enge Arbeit mit seiner früheren Partnerin Stevie Nicks belastete ihn zunehmend. Die beiden hatten ihre Beziehung zwar längst beendet, standen aber weiterhin gemeinsam im Studio und auf der Bühne. Die persönlichen Spannungen aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit verschwanden dadurch nicht einfach. Für Buckingham wurde die Situation zunehmend zu einer Belastung, aus der er sich lösen wollte.

Hinzu kam der Wunsch nach größerer kreativer Freiheit. Schon vor Tango in the Night hatte Buckingham eigentlich an einem Soloalbum gearbeitet. Nach Jahren innerhalb von Fleetwood Mac wollte er sich stärker auf seine eigene Musik, seine Solokarriere und seine persönliche Entwicklung konzentrieren. Eine weitere große Tour mit der Band passte immer weniger zu diesen Plänen. Nach der langen Produktion stand genau diese Tour an. Buckingham wollte jedoch nicht mitgehen. Die Situation eskalierte bei einem Treffen der Band, und kurz darauf verließ er Fleetwood Mac. Damit verlor die Gruppe ausgerechnet nach einem enorm erfolgreichen Album einen Musiker, der entscheidend dafür verantwortlich gewesen war, wie dieses Album überhaupt klang.

Ganz vorbei war die gemeinsame Geschichte allerdings nicht. 1997 kam die klassische Besetzung mit Buckingham, Stevie Nicks, Christine McVie, John McVie und Mick Fleetwood für das erfolgreiche Liveprojekt The Dance wieder zusammen. In den folgenden Jahren gehörte Buckingham erneut fest zu Fleetwood Mac und ging mehrfach mit der Band auf Tour.

Das nächste Kapitel folgte 2018. Nach neuen Meinungsverschiedenheiten über die geplante Tour und die Zukunft der Gruppe wurde Buckingham aus Fleetwood Mac entlassen. An seine Stelle traten Mike Campbell von Tom Petty and the Heartbreakers und Neil Finn von Crowded House. Buckingham ging später juristisch gegen die Band vor, bevor der Streit außergerichtlich beigelegt wurde.

Damit bekam die Geschichte noch eine gewisse Fleetwood Mac typische Pointe. Buckingham verließ die Band nach Tango in the Night, kehrte Jahre später zurück und wurde schließlich mehr als drei Jahrzehnte nach dem Album doch noch vor die Tür gesetzt.

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Oasis – „Dig Out Your Soul“: ein letzter Streit zu viel

Als Oasis 2008 Dig Out Your Soul veröffentlichten, klang die Band keineswegs nach Abschied. Das achte Studioalbum zeigte Liam und Noel Gallagher noch einmal erstaunlich experimentierfreudig. Songs wie „The Shock of the Lightning“, „Falling Down“ und „I’m Outta Time“ verbanden den typischen Oasis Sound mit psychedelischen Einflüssen und deutlich düstereren Tönen. Kommerziell funktionierte das ebenfalls. Kurz gesagt: Musikalisch lief es besser als zwischenmenschlich.

Dass es zwischen Liam und Noel Gallagher regelmäßig krachte, war zu diesem Zeitpunkt längst Teil der Bandgeschichte. Die Brüder hatten sich über Jahre öffentlich gestritten, Tourneen unterbrochen und immer wieder mit dem Ausstieg gedroht. Was bei anderen Bands als existenzielle Krise gegolten hätte, war bei Oasis lange fast schon Betriebsroutine. Bei Dig Out Your Soul wirkte die Distanz allerdings größer als zuvor. Noel blieb zwar der wichtigste Songwriter, doch auch Liam Gallagher, Andy Bell und Gem Archer steuerten Stücke bei. Die musikalische Verantwortung war damit breiter verteilt als in den frühen Jahren. Liam lieferte mit „I’m Outta Time“ sogar einen der stärksten Songs des Albums.

Im Studio funktionierte Oasis also noch erstaunlich gut. Außerhalb davon wurde die gemeinsame Basis immer dünner. Nach der Veröffentlichung ging die Band auf große Welttournee und spielte weiterhin vor Zehntausenden Fans. Von einem langsamen kommerziellen Niedergang konnte keine Rede sein. Das Problem war vielmehr, dass sich die Beziehung der Gallagher Brüder irgendwann nicht mehr mit ausverkauften Konzerten und neuen Songs überdecken ließ.

Im Sommer 2009 erreichte die Situation ihren endgültigen Tiefpunkt. Kurz vor einem geplanten Auftritt beim Rock en Seine Festival in Paris kam es hinter der Bühne erneut zum Streit zwischen Liam und Noel. Dieses Mal blieb es nicht bei der nächsten Gallagher Episode für die Boulevardpresse. Das Konzert wurde abgesagt, Noel verließ die Band und erklärte kurz darauf, dass er nicht länger mit seinem Bruder zusammenarbeiten könne. Nach fast zwei Jahrzehnten war Oasis damit vorerst Geschichte.

Dig Out Your Soul hatte die Band also nicht im klassischen Sinne auseinandergebracht. Das Album war eher die letzte funktionierende Momentaufnahme einer Gruppe, deren wichtigste persönliche Beziehung längst stark beschädigt war. Im Studio konnten die Gallaghers noch gemeinsam ein überzeugendes Album fertigstellen. Danach wurde es schwieriger.

Erst viele Jahre später fanden die Brüder wieder zusammen. Damit bekam die Geschichte von Oasis schließlich doch noch ein weiteres Kapitel. Dig Out Your Soul bleibt trotzdem das Album, das eine lange erste Ära abschloss und zeigt, dass selbst die erfolgreichste Rockband irgendwann an einem Problem scheitern kann, das sich mit keiner Gitarrenwand der Welt übertönen lässt.

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The Police: Warum war nach „Synchronicity“ plötzlich Schluss?

Mit Synchronicity erreichten The Police 1983 den größten Erfolg ihrer Karriere. Das Album brachte Songs wie „King of Pain“, „Wrapped Around Your Finger“ und natürlich „Every Breath You Take“ hervor. Letzterer wurde zu einem der größten Hits des Jahrzehnts. Nach außen wirkte die Band erfolgreicher und geschlossener denn je. Im Studio war die Sache etwas komplizierter.

Sting hatte sich längst zum wichtigsten Songwriter der Gruppe entwickelt und bestimmte zunehmend die musikalische Richtung. Stewart Copeland wiederum war selbst ein äußerst eigenständiger Musiker und nicht unbedingt dafür bekannt, fremde Vorstellungen kommentarlos abzunicken. Andy Summers befand sich häufig zwischen diesen beiden Polen. Bei den Aufnahmen fand die Band schließlich eine ungewöhnliche Arbeitsweise. Sting, Copeland und Summers spielten ihre Parts teilweise in getrennten Räumen ein. Produzent Hugh Padgham führte das Material anschließend zusammen. Für eine Band, die einmal von der direkten Energie ihres Zusammenspiels gelebt hatte, war das durchaus bezeichnend.

Musikalisch funktionierte diese Methode gut. Synchronicity klingt präzise, elegant und geschlossen. Dass hinter dieser kontrollierten Oberfläche eine Gruppe stand, die kaum noch eine gemeinsame Arbeitsweise fand, hört man der Platte zunächst nicht an. Auch „Every Breath You Take“ ist dafür ein gutes Beispiel. Sting brachte den Song mit, doch Andy Summers entwickelte das markante Gitarrenmotiv, das heute praktisch jeder nach wenigen Sekunden erkennt. Aus den unterschiedlichen musikalischen Handschriften entstand ein Welthit, obwohl die drei Musiker längst nicht mehr dieselben Vorstellungen von ihrer gemeinsamen Zukunft hatten.

Der Erfolg machte diese Frage nur dringlicher. The Police spielten vor riesigem Publikum, darunter 1983 im Shea Stadium in New York, und waren endgültig eine der größten Bands der Welt. Nur wollte offenbar nicht mehr jeder unbedingt dieselbe Band bleiben. Nach der Tour zu Synchronicity folgte kein regulärer Nachfolger. Die Mitglieder gingen zunehmend eigenen Projekten nach, besonders Sting konzentrierte sich auf seine Solokarriere. Eine große dramatische Trennungserklärung gab es nicht. The Police hörten im Grunde einfach auf, als aktive Band weiterzumachen. Erst Jahrzehnte später kam es zu einer großen Reunion Tour. Ein neues Studioalbum entstand jedoch nicht mehr.

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Wenn Erfolg nicht mehr reicht

Am Ende zeigt sich bei all diesen Geschichten dasselbe Muster. Eine Band kann musikalisch noch auf höchstem Niveau arbeiten und trotzdem innerlich längst auseinanderdriften. Gute Songs, starke Kritiken und volle Hallen sind eben keine Garantie dafür, dass die Menschen dahinter noch dieselben Ziele verfolgen.

Gerade im Studio wird dann sichtbar, was sich oft schon lange angekündigt hat. Unterschiedliche Vorstellungen, persönliche Distanz und der Wunsch nach einem eigenen Weg lassen sich irgendwann nicht mehr mit dem nächsten Album überdecken. Das macht solche Platten im Rückblick besonders interessant. Sie stehen nicht nur für eine bestimmte Phase im Sound einer Band, sondern oft auch für einen Wendepunkt ihrer Geschichte.

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BadTicket sagt:

#1 - 22.08.2026 um 18:06 Uhr

0

Bei The Final Cut steht eigentlich schon auf der Platte wie man das Werk einordnen muss: „ by Roger Waters, performed by Pink Floyd“ Ich denke damit war allen klar was das bedeutet…

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