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5 Gründe, warum du als FOH-Techniker gerne mal den Talkback ausschaltest

Als FoH-Mann kommst du bisweilen immer mal wieder an deine physischen und psychischen Belastungsgrenzen. Bei aller gebotenen Kollegialität, der Grund liegt auf der Hand: Während du dich der akustischen Aussteuerung nach technischen und physikalischen Grundlagen widmet, hast du es mit einer außergewöhnlichen und unkonventionellen und mitteilungsbedürftigen Spezies von Mensch zu tun: mit Künstlern.

Wie üblich hast du ein Mikro am Pult so gepatcht, dass es ausschließlich auf den Monitoren liegt. Im Gegenzug zwei separate Talkback-Mikes links und rechts am Bühnenrand postiert. Soweit nix Besonderes, doch schon jetzt erahnst du, welchen unheilschwangeren Bemerkungen du heute den Weg ebnest, wegen derer du zuweilen klammheimlich über eine Umschulung nachdenkst:

Dabei besteht deine Problematik aus mindestens drei verschiedenen Aspekten: Einerseits die notorisch immer gleichen Sprüche on Stage, die du einfach nicht mehr hören willst, dann die verblüffend sinnlosen, die du nicht mehr hören kannst und schlussendlich die, die du gerne mal vom Stapel lassen würdest, aber aus diplomatischen Gründen lieber für dich behältst. Bilaterale Kommunikation hat für dich als FOH eine vollkommen eigenständige Bedeutung.

(Bild: Fotolia, Credits: Mark)

1. Nicht realisierbare Musikerwünsche

Immer wieder bist du höchst erfreut über entwaffnend faktenfreie Antworten und Ansagen von der Bühne. Das erleichtert dir die Arbeit natürlich erheblich. Wieso beschleicht dich zuweilen das Gefühl, dass man von dir keine technische Betreuung, sondern wahre Wunder erwartet. Beispiel gefällig? Mischer zum Keyboarder: „Was brauchst du auf dem Monitor?“ – Antwort: „Einen anderen Sänger, den Drummer bitte ausnahmsweise im Timing, den Bass nicht so schleppend wie sonst, den Gitarristen vernünftig gestimmt oder lieber gar nicht.“


Er hat dir das Wort aus dem Mikro genommen. Wie soll man das noch fachdienlich toppen, ohne den Zorn der Band auf sich zu ziehen. Der Talkback bleibt auf deiner Seite – wie erwartet – lieber stumm.

2. Schwammige Aussagen ohne faktischen Nährwert

Abstimmung auf Augenhöhe zwischen Band und Techniker, so heißt es, sei das A und O für das stimmige Soundergebnis. Manchmal bist du vom absoluten Gegenteil überzeugt. Kommunikation bei Events dürfte nach deiner Ansicht nicht nur quantitativ, sondern auch gerne qualitativ sein.

Wie sehr freust du dich über schwammige Aussagen wie „das klingt irgendwie nicht.“ Stimmt durchaus, du siehst das genauso. Allerdings mehr in musikalischer Hinsicht. Aber weiter bringt dich die Pauschalbemerkung keinen Deut.

Vielleicht ein klein wenig konkreter? Was bitte klingt nicht? Lässt du dich nun auf Endlosdebatten ein und versuchst mit Probier-Faktor durch sämtliche Frequenz-Suppen zum Ergebnis zu kommen, ist das Publikum lange wieder zu Hause, bevor der Gig überhaupt begonnen hat. Nutzt nichts, der Soundcheck wird sich offensichtlich in die Länge ziehen. Fakt bleibt, dass du nur verarbeiten kannst, was dir geliefert wird …

3. Der Klassiker schlechthin

Wenn einer nichts mehr zu sagen hat, wenn jemand seine Monitor- und Hörwünsche nicht definieren kann, dann kommt ganz sicher der unausweichliche Spruch:

„Ich hör‘ mich nicht.“

Den frotzelnden Gedanken „Sei froh!“ schluckst du unausgesprochen hinunter. Mütterlich wirst du dich auch diesem Anliegen widmen, wenngleich die Fader dir das Gegenteil beweisen. Also machst du den Kanal lauter, ziehst alles drum herum ein wenig zurück.

„So besser?“
„Jetzt kann ich die anderen nicht mehr hören.“

Wo bleibt er jetzt, dieser Buzzer, der berüchtigte Hau-drauf-Knopf bei Deutschland sucht den Super-FOH. Die Gelegenheit, exakt jetzt mit voller Wucht darauf zu kloppen, wäre extrem passend. Würdest auch gerne die gelb rote Karte zücken und die eine oder andere Nervensäge vom Platz schicken. Alternativ verbleibt dir noch, dich felsenfest ins FOH-Pult zu verbeißen. Geht alles nicht, da musst du jetzt durch. So ist der Job nun mal. Und wieder alles von Anfang an. Pure Zeitverschwendung. Schon vor zehn Minuten war alles perfekt. Einstellungen von soeben exakt wieder aufgerufen.

„Jetzt okay?“
„Ja perfekt, so lass es stehen.“

4. Sprachbarrieren zwischen Künstlern und Handwerkern

Eigentlich würdest du den Akustikgitarristen gerne fragen, ob die Saiten nur über das Schallloch gespannt sind, damit seine ungelenk nichtsnutzige Schlaghand nicht hineinfällt. Du verkneifst dir das. Man muss eben wissen, wann man lieber die Klappe hält. Schon streicht der Gitarrist sich selbstverliebt durch die wallende Haarpracht mit modesicherem Öko-Faktor aus den achtziger Jahren. Mit demonstrativ zerknirschter Miene scheitet er hochwichtig zum Talkback-Mike:

„Kannst du die Gitarre noch etwas bauchiger machen?“

Wir können’s ja mal ausprobieren. Mitten rein bis zum englischen Anschlag. Die Höhen und Bässe zurücknehmen. Eigentlich komplett verkehrt. Du gönnst dir das Späßchen. „Nee, nee, ich meinte bauchiger!“. Meintest du nicht einfach lauter?
Eine verständliche Ausdrucksweise ist Gold wert. Ein Paradebeispiel für den allgemein bekannten Zusammenhang zwischen Senden und Empfangen. Wenn Du ein Signal sendest, dass die gegenüberliegende Seite nicht dechiffrieren kann, sollte man lieber gleich still bleiben.

5. Soundcheck mit Soundentwicklung verwechseln

Soundcheck: Das interessante Phänomen ist, dass eingespielte und routinierte Bands den Talkback eigentlich kaum nutzen. Die kennen die üblichen Hand- und Monitorzeichen. Damit geht ohnehin vieles schneller. Außerdem haben die ihren eigenen Backline-Sound im Griff. Ganz anders bei jenen, die sich und ihren eigenen Gesamtsound erst noch entwickeln. Kommen frisch und mit sympathisch grünen Ohren aus dem Probekeller oder dem Aufnahmestudio und hören nun die komplette laute Wahrheit. Ein wenig Unzufriedenheit und Hilflosigkeit macht sich breit.

Der FOH-Techniker soll passend machen, was (noch) nicht zusammenpasst – ein Akustikpuzzle mit lauter Unbekannten. Wäre auch grundsätzlich kein Problem, du hilfst gerne. Aber wenn jeder dir unbelehrbar neunmalklug ins Mixing quasselt, wenn der Basser aus „klangästhetischen Gründen“ nicht bereit ist, den 30-Hz-Bereich abzusenken und sonstige Befindlichkeiten die Bühne bevölkern, dann wird aus dem Teig nie eine Pizza.

Du lässt den Talkback auf Mute-Modus, nickst ab und an mal geschäftig und anerkennend zur Bühne. Nicht vergessen, immer zustimmend den Daumen hochzuhalten, wenn jemand ins stummgeschaltete Bühnenmikro spricht. Dann wirst du auch diesen Job technisch und akustisch diszipliniert über die Runden bringen.

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(Bild: Fotolia, Credits: Mark)

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von Jörn Petersen

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