Das Strymon Canoga Vintage Silicon Fuzz, so die offizielle Bezeichnung, stammt aus der A-Serie des amerikanischen Herstellers, die sich ausschließlich Pedalen mit analogem Schaltkreis widmet. Das Pedal orientiert sich klanglich und schaltungstechnisch am legendären Fuzz Face, allerdings weiterentwickelt und an die heutigen Anforderungen angepasst. Laut Hersteller soll das Canoga Analog Fuzz satte Zerrsounds liefern, die extrem feinfühlig auf die Pickups und Einstellungen an der Gitarre reagieren.
Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
tadellose Verarbeitung, hochwertige Bauteile
einfache Bedienung
ausgezeichneter Fuzz-Sound
sehr transparent, auch bei hohen Zerrgraden
sehr gute Reaktion auf die Aktionen an der Gitarre
Strymon Canoga Analog Fuzz – Das Wichtigste in Kürze
Was ist das Strymon Canoga Analog Fuzz? Das Strymon Canoga ist ein komplett analoges Fuzz-Pedal mit Siliziumtransistoren, laut Hersteller eine modifizierte Version der Fuzz-Face-Schaltung.
Welche Regelmöglichkeiten gibt es zum Einstellen des Fuzz-Sounds? Lediglich zwei Regler stehen zur Verfügung, Drive für den Zerrgrad und Level für den Ausgangspegel.
Ist Batteriebetrieb möglich? Nein. Das Pedal kann ausschließlich mit 9-V-Netzteil (Minuspol innen) versorgt werden. Die Stromaufnahme liegt bei 24 mA, gemessen mit einem 1Spot mA Meter.
Hat das Strymon Canoga Analog Fuzz True Bypass? Das Pedal ist mit einer True-Bypass-Schaltung ausgestattet. Mit den internen Jumper-Schaltern kann der Modus beim ersten Einschalten (An oder Aus) bestimmt werden.
Das sagt der Test: Das Strymon Canoga Analog Fuzz überzeugt mit hochwertigem Fuzz-Face-Sound und dynamischer Ansprache. Seine Vielseitigkeit entsteht vor allem durch das Zusammenspiel mit Gitarre und Volume-Poti. Ideal für Puristen, die keinen Wert auf zusätzliche Extras legen.
Was ist das Besondere am Strymon Canoga Analog Fuzz?
Auf den ersten Blick wirkt das Strymon Canoga Analog Fuzz Pedal mit lediglich zwei Potis und ohne weitere Schalt- oder Regelmöglichkeiten reichlich unspektakulär. Aber seine tatsächlichen Stärken offenbaren sich beim Spielen. Es ist vor allem das Reaktionsverhalten auf die Pickups und auf die Einstellung von Volume und Tone an der Gitarre. Dreht man den Volume-Regler am Instrument zurück, wird der Ton schnell entzerrt. Und das ohne großen Einfluss auf die Höhen.
An welcher Stelle der Effektkette sollte das Strymon Canoga Analog Fuzz platziert werden?
Laut Hersteller soll das Pedal an erster Stelle direkt hinter der Gitarre positioniert werden, damit es optimal auf die Aktionen an der Gitarre reagiert. Vor allem mit maximalem Gain am Pedal in Verbindung mit einem leicht angezerrten Amp hat diese Position eine extrem hohe Bandbreite an Sounds im Gepäck.
1/4Das Strymon Canoga präsentiert sich als modifizierte Version der Fuzz-Face-Schaltung.
2/4Lediglich zwei Regler stehen zur Verfügung, Drive für den Zerrgrad und Level für den Ausgangspegel.
3/4Das Pedal ist mit einer True-Bypass-Schaltung ausgestattet.
4/4Alle Anschlüsse sitzen an der Stirnseite.
Entspricht das Angebot dem Preis?
Zwar verlangt das Strymon Canoga Analog Fuzz Pedal mit rund 230 Euro nach einem etwas höheren Budget, aber die Qualität der Bauteile und vor allem der erstklassige Sound rechtfertigen diesen Preis.
Aufnahmen mit dem Strymon Canoga Analog Fuzz
Für die Aufnahmen steht das Strymon Canoga Fuzz vor einem leicht angezerrten Marshall SLP 100. Der Amp läuft über ein Marshall 4×12 Cab (Celestion Blackback-Speaker) das mit einem Royer R-10 und einem Shure SM-57 abgenommen wird. Die Signale laufen über einen Chandler TG2 Preamp ins Audio-Interface (UA Apollo 8).
Wie klingt das Strymon Canoga Analog Fuzz mit unterschiedlichen Einstellungen am Pedal?
Der Plexi steht bereit und wir starten diverse Erkundungsausflüge mit unterschiedlichen Einstellungen am Pedal. Parkt man den Drive-Regler auf Minimum und fährt mit dem Level-Regler den Amp etwas heißer an, erhält man eine leichte Absenkung der oberen Frequenzen und einen etwas raueren Fuzz-Klangcharakter (Bsp. 1). Natürlich bleibt das alles sehr dynamisch, denn dieses Pedal erwartet grundsätzlich die tatkräftige Mitarbeit der Gitarre. Die feinen klanglichen Unterschiede bei der Tonabnehmerauswahl und den Einstellungen des Volume-Reglers an der Gitarre könnt ihr in den weiteren Beispielen hören. Soviel vorab: Das Strymon Canoga reagiert ausgezeichnet auf die Pickups und alles, was man an der Gitarre anstellt.
Drive auf Maximum – was kann man nun mit der Gitarre alles einstellen?
Will man die komplette Bandbreite des Pedals auskosten, dreht man den Drive-Regler auf Rechtsanschlag. Die Position des Level-Potis orientiert sich daran, wie heiß der Amp angefahren werden soll. Bei einem Pedal-Volume bei 14 Uhr lag bei meinem Plexi ein amtlicher Pegel an. Dabei sollte man das Thema Rauschen etwas entspannter angehen. Dass ein Fuzz bei maximalem Zerrpegel und erhöhtem Level in Verbindung mit einem (lauten) angezerrten Amp einen gewissen Rauschpegel verursacht, liegt in der Natur der Sache. Aber es macht eine Menge Spaß!
Bei voller Gitarrenlautstärke gibt es die bekannte Säge mit einem fetten, komprimierten Bassbereich, der aber nie wummerig aus dem Speaker kommt. Dreht man das Volume an der Gitarre zurück, geht der Sound recht schnell in Richtung Clean, mit einem ausgeprägten Höhenbereich und einem sehr straffen Low-End. Bei meiner Tele war es fast schon etwas bissig, aber das lässt sich mit dem Tone-Poti der Gitarre korrigieren. Vor allem mit zurückgenommenem Volume reagiert das Fuzz erstklassig und harmonisch auf das Tone-Poti an der Gitarre.
Hier sind einige Beispiele mit unterschiedlichen Gitarren und Pickups. Dabei habe ich ordentlich an den Reglern der Gitarre geschraubt, um die Bandbreite bei ein und derselben Einstellung an Amp und Fuzz zu zeigen. Und das ist wirklich beachtlich.
Audio
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Drive 17 – Level 14 – diverse Settings an der Gitarre (Les Paul)Drive 17 – Level 15 – diverse Settings an der Gitarre (Stratocaster)Drive 17 – Level 15 – diverse Settings an der Gitarre (Godin Montreal Premiere – P90) Drive 17 – Level 15 – diverse Settings an der Gitarre (Les Paul Melody Maker P90)
Funktioniert das Strymon Canoga Analog Fuzz auch mit einem cleanen Amp?
Das geht natürlich auch, allerdings reagiert das Pedal dann ein wenig anders. Beim angezerrten Amp gibt es meines Erachtens mehr Möglichkeiten, weil die Vorstufe bereits stärker engagiert ist und in die Verzerrung gefahren wird. So kann man auch mit dem Level-Regler den Sound etwas boosten. Dass dies bei einem eisenharten Clean-Amp etwas schwieriger ist, kann man nicht dem Fuzz ankreiden. Im Gegenteil: Das sensible Klangverhalten bringt viele feine Nuancen ans Tageslicht und das ist ein absoluter Bonus! Hier sind zwei Beispiele mit einem clean eingestellten Sovtek MIG-50H.
Fuzz-Pedale gibt es mittlerweile in großen Mengen und in allen möglichen Geschmacksrichtungen. Wenn es ein Pedal in Richtung Fuzz Face sein soll, mit Siliziumtransistoren, das auch preislich in einer höheren Klasse spielen darf, dann wären diese Alternativen einen Test wert: Jam Pedals Fuzz Phrase Si, Dunlop JH F1 – der originalgetreue Nachbau des Dallas Arbiter Fuzz Face. Im Miniformat und auch preisgünstiger kommt das MXR M296 Classic 108 Fuzz Mini.
Das Strymon Canoga Analog Fuzz steht für eine ausgezeichnete Performance. Zwar lassen seine eher spartanischen Regelmöglichkeiten kein extrem vielseitiges Fuzz-Pedal erwarten, doch die Vielseitigkeit ergibt sich in der Interaktion mit dem Instrument. Dort eröffnen sich bei Einstellungen mit höherem Zerrgrad eine Menge unterschiedlicher Sounds – von drahtigen Cleans bei niedrigen Volume-Settings bis zum muffigen Fuzz mit maximalem Volume und zurückgedrehtem Tone-Poti an der Gitarre. Wer auf der Suche nach einem qualitativ hochwertigen Fuzz-Face-Style-Pedal ist und keine weiteren Zusatzschaltungen benötigt, sollte das Strymon Canoga mal antesten.
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