Effektpedale online testen? Das ist beim Musikhaus Thomann dank einer exklusiven Technologie tatsächlich möglich. Hierzu wird eine Audiodatei über das Internet in ein Effektgerät geschickt, während der User zu Hause sitzt, virtuell an den Reglern dreht und die daraus resultierenden Soundveränderungen hört. Und als wäre das nicht schon genug, kann man das Pedal auch selbst mit der eigenen Gitarre über den heimischen Computer anspielen.

Software-Hersteller haben solche Online-Testfunktionen schon länger im Programm, aber bei Stompenberg wird ein ganz großes Fass aufgemacht. Hier werden die realen Pedale so modifiziert, dass sie aus jedem Winkel der Welt angesteuert, bedient und gehört werden können, und das quasi in Echtzeit. Unglaublich? Wir erklären euch, wie es geht.
Wie funktioniert Stompenberg FX?
Die Stompenberg FX-Hardware
Pedale, die für die Stompenberg FX-Funktion vorgesehen sind, werden ins Labor nach Erlangen gebracht, wo sie von Technikern so modifiziert werden, dass der volle Zugriff auf Regel- und Schaltmöglichkeiten online möglich ist: Jedes Pedal wird zunächst zerlegt, alle Potis werden vermessen und durch digitale Potis und Schalter ersetzt. Dann wird aus Gründen der Abschirmung das Originalgehäuse wieder aufgesetzt. Alles ist wieder als Pedal zu erkennen, aber jetzt hängen statt Potis und Schaltern Flachbandkabel aus den Bohrungen, in denen vorher die Potiknöpfe positioniert waren.

Montiert wird das Ganze auf eine Rackschublade, die pro Pedal neben der Stromversorgung auch einen eigens für diesen Zweck entwickelten Mini-Computer beherbergt. Das Flachbandkabel kommt an den Computer, das Audiokabel ins Pedal, und das komplette Setup wird eingestellt, eingepegelt und im Rack befestigt. Zum Ansteuern der Pedale hat man ein eigenes Audio-Interface entwickelt, damit sie auch exakt so reagieren, als wäre eine Gitarre direkt angeschlossen.

Die Stompenberg FX-Software
Bei Thomann in Treppendorf sitzen die Entwickler für die Software. Die beinhaltet die grafische Gestaltung der Bedienoberfläche und die generellen Funktionen des Ganzen, damit man von überall auf der Welt vom Rechner aus an den Reglern des ausgewählten Pedals drehen kann. Diese Befehle werden in Erlangen an das Pedal weitergeleitet, und das Ergebnis geht als Signal mit entsprechendem Effekt wieder zurück ins Wohnzimmer des Users.
Stompenberg FX in der Praxis
Interessiert man sich für ein bestimmtes Pedal, geht es über die jeweilige Produktseite zu Stompenberg FX, sofern das Pedal dort „gespeichert“ ist. Alternativ kann man sich auf der Stompenberg-Seite wie im echten Musikfachgeschäft umsehen und durch eine riesige Auswahl an Pedalen klicken.

Beim ersten Klick auf eine der Abhörfunktionen wird man vom Browser darum gebeten, Thomann den Zugriff auf das jeweilige Ein- bzw. Ausgabegerät (Audio-Interface, Laptop-Monitore etc.) zu erlauben. Und danach kann es eigentlich schon losgehen.
Dabei spielt es keine Rolle, ob ihr euren Computer mit einem Modeler, einem echten Amp + Cab-Sim oder einfach nur mit einem direkten Gitarrensignal ansteuert. Für den letzten Fall stellt euch Thomann eine Auswahl an 5 digitalen Boxensimulationen von Celestion zur Verfügung.
Dazu kommt die Möglichkeit, eigene IRs hochzuladen oder die Boxensimulation komplett zu umgehen. Beim Testen selbst könnt ihr alle Bedienelemente des Pedals bequem per Computermaus bedienen und die Veränderungen nahezu in Echtzeit hören. Hierfür stehen euch drei Testszenarien zur Verfügung.
So testet ihr euer Traum-Pedal
Der Play-Modus – bequem, schnell und aussagekräftig
Im Play-Modus wird eine Auswahl vorgefertigter Audio-Files angeboten, die bei Bedarf durch das Pedal geschickt werden, während man nach Lust und Laune an den Reglern dreht. Hierfür gibt es eine Auswahl von fünf Gitarren- und vier Bass-Riffs verschiedener Stilistiken. Wer den Effekt lieber mit seinem eigenen Material testen möchte, lädt einfach eine Audiodatei in diesen Bereich hoch. Im Play-Modus erspart man sich als User das Verkabeln der eigenen Gitarre und erhält schnell einen ersten Eindruck von den Grundfunktionen des Pedals. Für den Test mit dem persönlichen Lieblings-Setup empfiehlt sich jedoch eine der beiden folgenden Varianten.

Der Rec-Modus – das eigene Riff als Endlosschleife
Wer gerade keine eigene Aufnahme parat hat oder das Pedal mit verschiedenen Licks und Riffs testen möchte, hat die Möglichkeit, im Rec-Modus eine eigene Aufnahme zu erstellen. Die wird anschließend per Endlosschleife durch das Pedal geschickt. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass zuerst der Browser-Freigabe für das Audio-Interface (gilt übrigens auch für Mikrofone) zugestimmt wird. Das geschieht per Mausklick in einem kleinen Extra-Fenster. Danach kann man einfach den roten Knopf drücken, ein beliebiges Lick aufnehmen und (endlos) wieder abspielen. Da man hierbei die Hände frei hat, lassen sich vor allem Poti-Regelwege besonders genau analysieren.

Der Live-Modus – Pedale testen wie im Laden
Im Live-Modus wird euer Signal während des Spielens direkt ins Pedal-Rack nach Erlangen und wieder zurückgeschickt. Für einen ausgiebigen Pedal-Test quasi die Königsdisziplin. So könnt ihr direkt beurteilen, wie ein Pedal mit eurer Spielweise, verschiedenen Gitarren oder anderen Pedalen interagiert. Per Reamping-Box lässt sich das Gitarrensignal so auch aus der eigenen Soundkarte wieder in einen Amp schicken, ganz so, als stünde das Pedal auf eurem Schreibtisch. Natürlich ist ein solch aufwendiger Datenverkehr nicht ohne Abstriche zu genießen, sodass man beim Spielen mit Latenzen von bis zu 200 ms rechnen muss. Vor dem Hintergrund der Möglichkeiten ist dies aber durchaus zu verkraften.

Die Online-Warteschleife
Da man über Stompenberg FX mit einem echten Gerät verbunden ist, kann es natürlich vorkommen, dass zwei User gleichzeitig Interesse an einem Pedal haben. In diesem Fall startet eine Online-Warteschleife, in der dem aktiven User noch 5 Minuten verbleiben, bevor der nächste Tester an der Reihe ist. Ganz wie im echten Leben!
Hier ist der Link zur Stompenberg FX-Seite.
Hier ist ein kurzes Video, wie Stompenberg FX funktioniert.
























