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SSL UMD192 im Test – USB3-Audiointerface für MADI & Dante

Das SSL UMD192 ist ein rein digitales Audio-Interface mit einer außerordentlich hohen Kanalanzahl. Neben der USB-C/3.0 Verbindung stehen koaxiales MADI sowie Dante (AoIP) zur Verfügung, sodass es auch zum Converter oder Bridge zwischen Audio-Netzwerken wird.

SSL UMD192 Test
SSL UMD192: Routing zwischen den Formaten USB3, MADI und Dante inklusive Split-Abgriff
Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
  • extrem hoher Channel-Count bis 192 I/Os @ 96 kHz
  • flexibles Routing zwischen USB3, Dante und MADI
  • redundante Dante- und MADI-Strukturen möglich
Contra
  • kein internes Mixing / DSP
  • kein Switched-Mode

Highlights SSL UMD192

  • Was ist das SSL UMD192? ein performantes USB-3 Audiointerface für Dante und MADI
  • Wie viele Kanäle sind möglich? bis zu 192 I/O bei 96 kHz oder 128 Kanäle bei 192 kHz
  • Welche Schnittstellen bietet es? USB 3.0: Front, Dante: 2xPrimary/Secondary, koaxiales MADI mit 12xBNC
  • Gibt es internes Mixing oder Monitoring? Nein – kein TotalMix-Pendant, kein Direct Monitoring
  • Wie wird es mit Strom versorgt? Internes Netzteil oder PoE – ohne Weitergabe an andere Geräte

128 Channels mit 192 kHz max.

Das SSL UMD192 Audio-Interface ist digital und üppig ausgestattet: wie der Name verspricht bietet es 192 Ein- und Ausgänge. Und das bis zu einer Samplerate von 96 kHz, darüber sind es aber auch noch 128 Kanäle. USB, MADI, Dante – abgekürzt UMD, schon klar. Darf ich vorstellen: das SSL UMD192.

Flacher Industrie-Look auf 1 HE und 9,5-Zoll.

Die Dante-Schnittstelle arbeitet ohne Einschränkungen und unterstützt neben AES67 und ST 2110 auch DDM. Netzwerklatenzen lassen sich zwischen 0,25 und 5 ms wählen, das Samplerate-Angebot umfasst die Standards, auf kinomäßigen Pull-Up muss man verzichten. Die PCM-Übertragung erfolgt in 24 oder 32 Bit, das Clocking über MADI oder Dante.

Plug´n Play ohne Treiber und Software

Eine Word-Clock-Schnittstelle fehlt, Clock-Parameter lassen sich auch nicht über USB ändern. Das wird auf Wunsch von Audionate geschehen sein sicherlich ein technischer Kompromiss zugunsten des softwareunabhängigen Betriebes sein: abgesehen vom Windows-Treibern arbeitet das Interface class-compliant und kommt ohne weitere Software aus.

Konkrete Symbole klären über den Zustand, detailliertes Metering gibt es nicht. DIe Bedienung der Taster rechts muss mit dem Schloss-Symbol links gehalten werden, um Fehlbedienungen zu vermeiden.

Routing und Setup erfolgen allein am Gerät über neun Presets, die Szenarien wie Dante-zu-MADI, USB-zu-Dante oder kombinierte Setups abbilden. Die Statusanzeige meldet sich über ein Frontpanel-Display mit Symbolen wie grünen Bögen für aktive Verbindungen. Für Routings auf Kanalebene wird der Dante Controller im Netzwerk genutzt. Einen Monitor-Mixer in dem Sinne gibt es nicht.

Der Dante Controller in der Routing Page: Sender oben, Empfänger unten – und über die Matrix werden Verbindungen geschlossen.

Anschlüsse vorn und hinten

Das kompakte 9,5-Zoll-/1HE-Gehäuse des SSL UMD192 lässt sich problemlos in ein Rack integrieren. Die Stromversorgung erfolgt über das interne Netzteil mit IEC/Kaltgeräte-Kabel oder alternativ bzw. redundant per PoE über den Dante Primary auf der Rückseite.

Über die DIP-Switches lassen sich die USB-Kanäle bei Bedarf reduzieren, sofern sie nicht benötigt werden.

Die gesamten Anschlüsse verteilen sich auf Vorder- und Rückseite auf, darunter zwei Primary- und zwei Secondary-Ports für Dante – allerdings ohne Switched-Funktion. Für das umfangreiche, koaxiale MADI stehen auf der Front und Rückseite insgesamt zwölf BNCs bereit, die in Summe dann drei redundante I/O-Verbindungen mit bis zu 3*64=192 Kanälen ergeben.

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Praxis: Kaskadieren im Studio

In meinem Studio kommen zwei Apogee Symphony I/O Mk II mit insgesamt 48 analogen und 16 digitalen I/O-Kanälen zum Einsatz, die bisher per Dante an ein RME Digiface Dante mit 64 I/Os bei 48 kHz angebunden sind. Die vier RJ45-Ports des RME fungieren hier wie ein Switch: Neben den beiden Apogees lässt sich so auch mein Rechner anschließen, mit dem ich das Netzwerk des Dante Controllers verwalte.

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Mit dem SSL UMD192 funktioniert das nicht ganz so einfach. Ein Switched-Mode fehlt, sodass man auf einen externen Switch inklusive kleiner Stolpersteinen angewiesen ist. Fairerweise entspricht das der Dante-Spezifikation, die eine Nutzung der Secondary-Ports für solche Zwecke eben nicht gern sieht, genau wie external Wordclocks.

Im Live- und Broadcast-Kontext ist diese Trennung absolut nachvollziehbar, im Studio hätte ich mir mehr „riskante“ Flexibilität gewünscht. Immerhin: nach finaler Einrichtung konnte ich meinen Billig-Switch und den Computer aus dem Dante-Netz entfernen und meine beiden Wandler direkt an die zwei Primarys des SSL koppeln..

Um die drei Taster rechts bedienen zu können, muss der links vom Display platzierte Taster mit Schloss-Symbol gedrückt gehalten werden. Dante- und MADI-Schnittstellen befinden sich ebenfalls hinten am Gerät, während der USB-Anschluss ausschließlich auf der Frontseite sitzt.

Warum überhaupt den SSL nutzen? Der SSL UMD192 beherrscht einfach üppigste 192 Kanäle bei 96 kHz, das RME liefert da nur noch lächerliche 32 Channels, weswegen ich auf doppelte Samplerate bisher verzichtet habe.

Die Latenzen der Class-Compliant-Treiber des SSL sind ordentlich, erreichen aber nicht ganz das Niveau spezialisierter Lösungen: RME liegt per USB im Schnitt rund 5 ms vorn, Universal Audio mit Thunderbolt etwa 4 ms. Grundlage sind typische Roundtrip-Messungen in Ableton Live bei 96 kHz auf einem Apple M1 Ultra – konsistent über verschiedene Buffer-Sizes hinweg.

Wichtiger Kontext: Class Compliant bedeutet, dass das Interface über die generischen Audio-Treiber von macOS (CoreAudio) läuft – ohne herstellerspezifischen Low-Level-Treiber. Das ist robust und wartungsarm, aber in der Regel etwas weniger optimiert, was Roundtrip-Latenz und Pufferverwaltung angeht.

Und genau da liegt der Trend: Eigene Kernel-/Low-Level-Treiber werden unter Apple immer aufwendiger (Security, System Extensions etc.). Deshalb setzen viele Hersteller bewusst auf Class Compliant – mit leichtem Latenz-Nachteil, aber deutlich weniger Wartungsaufwand und höherer Systemstabilität.

Rack me in

Im Alltag lässt sich das Interface mit umfangreicher AD/DA-Wandlung und integriertem (Cisco) Switch im Rack aber sauber verbauen und intern verkabeln, sodass vorderseitig nur USB und Netzwerk für die Anbindung an den Computer benötigt werden. Laptop oben drauf, fertig!

Einen rückseitigen USB-Port gibt es leider nicht. Ebenso wenig ist die Steuerung des Dante Controllers via USB vorgesehen. Ein Umstand, den man von Lösungen anderer Hersteller wie RME und UA aber auch kennt.

Der vollständige Verzicht auf analoge Schnittstellen ist verschmerzbar – für Fehlersuche oder schnelles Monitoring bleiben solche Optionen oder zumindest Meter-Displays aber weiterhin äußerst reizend. Alternativ lässt sich das bereits mit einem Universal Audio Apollo e2m umgehen, das einmal Line-I/O mit Kopfhörer und Volume-Regler bietet.

Grundsätzlich gilt außerdem: Das SSL UMD192 kann per PoE betrieben werden, stellt aber keine Versorgung für weitere Geräte bereit. In Setups mit gemanagten und PoE-fähigen Switches fällt das kaum ins Gewicht, im kleineren Studio-Umfeld wirkt es jedoch wieder unkomfortabel.

Ebenfalls schade: Eine Direct-Monitoring-Software im Stil von TotalMix(FX) oder gar der UA Console mit DSP-Effekten fehlt gänzlich – entsprechend lassen sich Signale außerhalb der DAW kaum abgleichen, verzögern, mischen oder gar visualisieren. Sollte man verschiedenste Marken und Konzepte an AD/DA-Wandlern kombinieren wollen, muss man sich auf die DAW Software verlassen, um einen präzisen Latenzausgleich über alle Wandler hinweg zu erzielen.

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Fazit

Das SSL UMD192 ist kein klassisches Audiointerface, sondern primär ein leistungsstarkes Infrastruktur-Tool für Dante und MADI mit modernem USB-3-Anschluss. Die Kombination aus USB3 und bis zu 192 Kanälen macht es zu einer äußerst flexiblen Bridge bzw. Split-Lösung für komplexe Setups in Broadcast, Live und größeren Studios. Der weitgehend software-unabhängige Betrieb ist dabei ein klarer Pluspunkt.

Im Studio-Alltag stellt sich die Frage, ob reines Routing über Dante ausreicht – oder ob Funktionen wie internes Monitoring, Delays und Pegelkontrolle nicht doch an entscheidender Stelle fehlen. Unterm Strich richtet sich das UMD192 an Anwender, die eine hoch-kanalige Audio-Bridge für professionelle Netzwerkinfrastrukturen suchen oder gar mehrere Interfaces kaskadieren möchten – ja und auch für die Harrison Console gibt es nun auch USB-Anschluss und genügend Monitoring in der Console. Wer hingegen ein besonders flexibles Studio-Interface mit direktem Zugriff, Immersive-Monitoring und maximalem Bedienkomfort erwartet, wird hier an Grenzen stoßen.

Features

  • USB-C/USB-3.0 Audiointerface mit bis zu 192 I/O bei 96 kHz bzw. 128 Kanälen bei 192 kHz, 24/32 Bit PCM
  • Dante (2xPrimary/Secondary) mit AES67, ST 2110 und DDM sowie niedrigen Latenzen (0,25–5 ms)
  • koaxiales MADI (BNC) mit bis zu 3×64 Kanälen für redundanten Verbindungen
  • bidirektionales Routing zwischen USB, Dante und MADI inklusive Split-Funktion
  • 9 Presets für typische Setups. Class-compliant Betrieb (macOS/iOS), Windows-Treiber, Standalone ohne Zusatzsoftware
  • Steuerung über Dante Controller. Front-Display mit Statusanzeigen, DIP-Switches zur Kanalreduktion
  • internes Weitbereichsnetzteil, optional PoE-Betrieb, kompaktes 9,5″/1HE-Rackgehäuse
  • hergestellt in: China
  • Preis: € 2729,– (Straßenpreis am 23.4.26)

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