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INSIDE: Rob Papen – Interview zwischen Old-School-Synths und Plugins

Rob Papen spielt seit über 46 Jahren Synthesizer und entdeckt immer etwas Neues. Sein persönliches Credo an Nachwuchskünstler lautet: Seid offen dafür, Neues zu lernen! Er lebt und arbeitet in der niederländischen Provinz Limburg, nahe der deutschen Grenze. Im Interview erzählt Rob Papen über seine frühen Synthesizer-Erfahrungen, die Entwicklung seiner beliebten Plugins sowie über KI und Musikproduktion.

Rob Papen: Interview.
Rob Papen ist einer der prominentesten Preset- und Plugin-Designer. Seit den späten 1970er Jahren ist der niederländische Musiker mit Synthesizern vertraut.

Wie würdest du dich und deine Rolle als Musikproduzent beschreiben?

Wie einige vielleicht wissen, habe ich in der niederländischen Synthesizer-Gruppen Nova und PERU gespielt und bisher zwei Soloalben veröffentlicht. Im Grunde ist klassische „Synthesizer-Musik“ meine Musik – und auch einige Klavierstücke gehören dazu.

Presets, die sich gut in einer Produktion einsetzen lassen, waren schon immer ein wichtiger Teil meines Erfolgs als Sounddesigner – ebenso wie Software-Instrumente und Effekt-Plugins. Weil ich selbst viel Musik produziere, kann ich die Bedürfnisse von Künstlern beim Musikmachen besser verstehen.

Gelernt habe ich dabei vor allem eins: Ein Sound muss nicht spektakulär sein, um perfekt in ein Musikstück zu passen. Natürlich erstelle ich manchmal auch Presets, die eher als Showcase gedacht sind – diese also nicht unbedingt praktisch oder direkt passend sind.

Wie sieht ein typischer Tag aus und mit wem arbeitest du regelmäßig zusammen?

Ich verbringe meistens viele Stunden in meinem Studio, wo ich neue Plugins und Sounds entwickle. Unser Team RPCX, das hinter all den Produkten steckt, ist klein. Neben mir gibt es Jon Ayres, unseren Hauptprogrammierer, und Jacek Kusmierczyk, der hauptsächlich für den Mac und andere Softwarebereiche wie unser Prisma-Plugin arbeitet.

Hinzu kommen einige brillante Beta-Tester, die uns oft mit ihren großartigen Ideen weiterbringen, indem sie zum Beispiel blinde Flecken aufzeigen… oder uns für unsere Bugs jagen. (lacht)

Predator hat sich zu einem Klassiker entwickelt. Wenn du diesen Synth heute komplett neu entwickeln würdest, was wäre anders?

Nun, nichts… tatsächlich hat sich Predator großartig zu Predator-3 weiterentwickelt. Ich bin vollkommen zufrieden damit, wie er aufgebaut ist und klingt. Er hat unzählige Funktionen und ist trotzdem benutzerfreundlich – und vor allem hat er einen großartigen Sound und ist ein echtes Produktionsmonster. (lacht)

Wir könnten aber natürlich weiterhin kleine Details ergänzen, so wie kürzlich die Albino-3-Legend-Filter. Bald werden wir außerdem ein aktualisiertes „XY Movement“-Menü veröffentlichen, in dem man Bewegungen in einem benutzerfreundlicheren Menü zeichnen kann.

Wir haben diese Funktion bereits in FilterField integriert, sodass wir sie bald zu Predator-3 hinzufügen können. Dieses XY-Movement-Preset-Menü war übrigens eine großartige Idee von einem unserer Beta-Tester.

Rob Papen: Predator.
Einer der beliebtesten Software-Synthesizer für praktisch alle Standardfälle: Rob Papen Predator.

Predator, BLUE und SubBoomBass haben jeweils einen sehr starken Charakter. Welches dieser Instrumente magst du persönlich am liebsten – und warum?

Beim Musikmachen lasse ich mich vom kreativen Flow leiten. Oft ergibt sich dabei ganz von selbst, welcher Sound und welches Instrument am besten zur Musik passen. Vor einigen Jahren habe ich einen Livestream über die „Berlin School of Electronic Music“ gestartet. Währenddessen habe ich BIT-2 ausgewählt, und am Ende lief alles so gut, dass ich daraus sogar ein fertiger Track für mein letztes Album entstanden ist! Der Track heißt „Waiting for Berlin“ und ist auf YouTube zu sehen.

Rob Papen: BIT-2.
bei der heutigen Flut an virtuell-analogen Synth-Plugins leicht zu unterschätzen: Rob Papen BIT-2.

Gibt es ein Plugin aus deinem Portfolio, das dich auch heute noch positiv überrascht?

Das ist nicht so leicht zu beantworten, denn jedes Plugin hat sowohl einen eigenen Charakter als auch Schwerpunkt. Ich bin eigentlich immer überrascht und auch begeistert, sobald ich damit spiele und die verschiedenen Presets höre.

Für manche Produkten musste ich sogar meine Komfortzone verlassen, zum Beispiel bei RAW, einem sehr kantigen Synthesizer. Von den Hardcore-/Hardstyle-Produzenten habe ich gelernt, dass „Distortion“ ein großartiges Werkzeug ist. Noch aufschlussreicher fand ich aber, dass sie EQs sowohl vor als auch nach der Verzerrung einsetzen.

Aus meiner puristischen Sicht auf Synthesizer dachte ich früher, dass ein EQ nichts in einem Synthesizer zu suchen hat – das macht man schließlich beim Mixing. Wenn man ihn aber anders einsetzt, etwa innerhalb von RAW oder RAW-Kick, ergibt es absolut Sinn, ihn für die Klangformung zu nutzen.

Gibt es eine Funktion bei deinen Plugins, die die User deiner Meinung nach übersehen oder einfach nicht oft genug nutzen?

Vielleicht lohnt sich ein genauerer Blick auf deb ARP/Sequencer. Dort gibt es einen Regler namens VEL/KEY. Er mischt die Velocity-Werte der einzelnen Schritte (jeder Schritt hat seine eigene Velocity) mit der Velocity, die vom Keyboard oder der Spur empfangen wird. Bei einem Preset, das den ARP/Sequencer verwendet, ermöglicht dieser Regler einen ganz anderen Umgang mit der Velocity.

Hast du beim Programmieren eines Sounds manchmal bereits einen bestimmten Song oder eine konkrete musikalische Situation im Kopf?

Das hängt davon ab. Sehr oft hat man einen bestimmten Musikstil im Kopf. Gleichzeitig erstelle ich viele Presets auch einfach ohne konkreten Hintergedanken. Schließlich werden Presets später oft in Songs eingesetzt, mit denen man überhaupt nicht gerechnet hätte! Vor einiger Zeit habe ich zum Beispiel ein RAW-Screech-Preset in einem Psytrance-Track gehört. Produzenten und Künstler gehen regelmäßig alle Presets durch. Und wenn etwas passt… dann passt es.

Du hast mehrere Jahrzehnte Synthesizer-Entwicklung miterlebt. Gibt es Sounds oder Synthesen, die technisch inzwischen veraltet sind, dich musikalisch aber immer noch faszinieren?

Da Musik die Regeln bestimmt, ist für einen Künstlers nichts wirklich veraltet. Auch der persönliche Workflow spielt dabei eine Rolle, denn wir Menschen arbeiten alle unterschiedlich.

Ich habe zum Beispiel im Alter von 15 Jahren angefangen, mit dem Korg MS-20 und SQ-10 zu arbeiten. Nach einigen musikalischen Erfolgen mit Nova konnte ich mir schließlich den Roland Jupiter-8 kaufen. Ich war so glücklich darüber, dass ich meine Presets speichern konnte und nicht mehr auf Papier notieren musste, wie ich einen Sound erzeugt habe.

Deshalb sind Synthesizer ohne Presets – etwa modulare Systeme – irgendwann aus meinem Arbeitsalltag verschwunden, einfach wegen des enormen Arbeitsaufwands. Aber wie du weißt… lag ich damit falsch. Modularsysteme haben sich zu einer eigenen Welt innerhalb der Synthesizer entwickelt – und genau das fasziniert mich!

Dein Studio-Setup umfasst Vintage-Synthesizer wie Minimoog, MS-20 und Jupiter-8. Welche modernen Hardware-Synthesizer findest du momentan besonders spannend – und warum?

Ab und zu spiele ich live und nehme die alten Synthesizer mit auf die Bühne, was im Grunde genommen keine besonders gute Idee ist. Auf der Bühne nutze ich einen Laptop für Sequenzen und Backing Tracks, einen weiteren Laptop mit Main-Stage als „Super-Synthesizer“ mit Plugins und dazu einige Hardware-Synthesizer, die ich live tweake oder auf denen ich Soli spiele.

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Natürlich kann ich nicht alle neuen Hardware-Synthesizer ausprobieren. Als ich aber in einem Musikgeschäft Audiobeispiele vom Sequential Take-5 gehört habe, hat mich der Sound schwer beeindruckt – er klang so „offen“ und „cremig“.

Und weil ich für Soli auf der Bühne ohnehin nach einem Ersatz für meinen alten Minimoog gesucht habe, habe ich mir diesen Synthesizer gekauft – er eignet sich für diese Aufgabe fantastisch. Der Sound ist erstklassig und er enthält großartige Funktionen, beispielsweise die Preset-Auswahl über Tasten. Dieser Synthesizer ist ein kleines Juwel. Natürlich habe ich auf dem Take-5 auch meine eigenen Presets erstellt – vielleicht veröffentliche ich sie eines Tages.

Ein weiterer Synthesizer, den ich zur Zeit gern live einsetze, ist der Waldorf M. Für den Waldorf Microwave – das Original – habe ich Presets erstellt und diese für den Waldorf M konvertiert. Der Sound des Waldorf M geht stärker in die Richtung des ursprünglichen PPG-Sounds und ist im Vergleich zum Microwave etwas weicher. Der erste Microwave klag teilweise sogar aggressiver. Ich denke, der Waldorf M ist eine großartige Alternative, wenn man sich einen originalen PPG 2.3 nicht leisten kann.

Gibt es etwas an echter Hardware, von dem du glaubst, dass es niemals wirklich emuliert werden kann – oder ist diese Vorstellung zunehmend eine romantische Idee?

Diese Diskussion ist für mich sofort beendet, wenn wir über Musik sprechen! Nova landete 1982 mit „Aurora“ einen Nummer-eins-Hit. Damals verwendeten wir unter anderem den Korg MS-20, einen der ersten erschwinglichen Synthesizer der 70er-Jahre. Von einem Minimoog oder einem Modulsystem konnten wir damals nur träumen. Wir mussten uns mit einem Budget-Synthesizer begnügen, der klanglich überhaupt nicht an einen Minimoog herankam.

Dem Hörer ist aber egal, womit wir unsere Musik machen. Er nimmt nur die Musik wahr – keine Marken oder Geräte. Der Korg MS-20 beispielsweise war damals ein Budget-Synthesizer. Ja, er hat diesen typischen Sound, aber genau das verleiht ihm seinen einzigartigen Charakter. Software hat also – abhängig vom jeweiligen Hersteller – ihren eigenen Sound, genauso wie Hardware! Am Ende geht es um den persönlichen „Workflow“ der Person, die einen Synthesizer benutzt. Dabei kann es sich um Hardware, Software oder eine Kombination aus beidem handeln.

Was glaubst du, wird mit dem traditionellen Preset-Markt passieren, wenn jeder innerhalb von Sekunden mit KI passende Sounds erstellen kann?

Derzeit erleben wir einen Tsunami an KI-Musik. Ich glaube, dass das dazu führen wird, dass sich Hörer eher für Künstler entscheiden, die sie bereits kennen, anstatt auf dieser riesigen Welle von KI-Musik mitzureiten. Das führt für Spotify und andere Plattformen zu ernsthaften Problemen, da sie bereits mit KI-Musik überflutet werden und erst herausfinden müssen, wie sie damit umgehen. Aber damit verhält es sich wie mit einem schlechten Film: Er kann fantastisch aussehen – aber wenn das Drehbuch keine Magie besitzt, bleibt es ein schlechter Film.

Die „Magie“ der Musik ist nach wie vor der menschliche Faktor, nicht die KI. Was Sounds betrifft: Wenn ein Produzent den einen Sound verwendet, der einen Song zu einem Hit gemacht hat, bedeutet das noch lange nicht, dass man damit einen weiteren Hit produziert.

KI kann nicht die „Inspiration“ ersetzen, die man bekommt, wenn man Presets auf einem Instrument spielt und dadurch Ideen für einen Song entwickelt. Mit einem Synthesizer herumzuspielen, von einem Preset zum nächsten zu wechseln und sich an den Sounds zu erfreuen, die mich zum Musikmachen inspirieren – das kann KI nicht ersetzen.

Angenommen, du dürftest nur noch drei Werkzeuge behalten: einen Synthesizer, einen Effekt und einen Sampler. Welche drei würdest du wählen – und was würdest du damit anstellen?

Natürlich würde ich einen Synthesizer-Track machen! Bei Software würde ich nur ein einziges Produkt benötigen: BLUE-3. Es kann Samples laden, bietet mehr Syntheseoptionen und verfügt über erstklassige Effekte. Bei Hardware würde ich den Sequential Take-5, ein Stereo-Delay und meinen alten Emulator-4-Sampler wählen.

Rob Papen: Blue.
Persönlicher Liebling von Rob Papen: der flexible Software-Synth BLUE-3.

Was können wir in naher Zukunft von Rob Papen erwarten?

Zunächst steht die Veröffentlichung von Quad-2 an, das auch Bestandteil des eXplorer-11-Bundles sein wird. Quad wurde ursprünglich für Reason Studios entwickelt und später als VST3-/AU-/AAX-Plugin veröffentlicht. Quad-2 wird es daher ausschließlich als VST3/AU/AAX geben, da der Parameterumfang und die -größe wachsen werden und es damit niemals in das RE-Format passen würde.

Das Synthesekonzept des ursprünglichen Quad unterscheidet sich deutlich von unseren anderen Synthesizern. Durch die Funktionserweiterung wird Quad-2 einen großartigen neuen Beitrag zur bunten Welt der „Rob Papen“-Synthesizer leisten. Und natürlich wird es, wie bereits erwähnt, sehr bald Updates für Predator-3 geben, unter anderem mit der neuen XY-Menü-Funktion.

Homepage: robpapen.com

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