Keine Frage, die Snaredrum ist eindeutig das Herzstück des Schlagzeugs, sie definiert den Sound des Drumsets und sorgt für den Puls, nach dem sich alle richten. Aber wie steht es um die Toms, die oft noch nicht einmal separat mikrofoniert werden? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Toms sollten beim Draufhauen genauso viel Spaß machen wie die anderen Instrumente des Schlagzeugs. Ihr Klang sollte dazu inspirieren, sich interessante Grooves und Fills zu überlegen und natürlich auch zu üben. Das richtige Tuning ist dabei selbstverständlich wichtig, der Auswahl der Tom-Felle kommt allerdings eine fast ebenso große Bedeutung zu.

Anders als es bei bei den meisten Snare- und Bassdrumsounds üblich ist, klingen Toms nämlich normalerweise länger aus. Man möchte von ihnen einen „Ton“ hören, und während eine leichte Dämpfung zum Ausbügeln kleiner Stimmfehler auf der Snare kaum ins Gewicht fällt, kann das Stückchen Gaffa-Tape einem Tom schonmal einen Großteil der Fülle und Power rauben.
Wie ihr Soundprobleme eurer Toms lösen könnt und welche Felle sich für verschiedene Musikarten eignen, lest ihr auf den folgenden Zeilen.
- Tipp 1: Einlagige Felle bieten die meisten Sound-Optionen
- Tipp 2: Dickere Tom-Felle begrenzen die Obertöne und halten länger
- Tipp 3: Es müssen nicht immer die gleichen Felle auf allen Toms montiert sein
- Tipp 4: Langweiliger Tomsound? Experimentiert mit Fellen!
- Tipp 5: Dämpfen ist ausdrücklich erlaubt (und meistens sogar gewünscht)
- Fazit
Tipp 1: Einlagige Felle bieten die meisten Sound-Optionen
Was für die Snaredrum gilt, trifft auch zu, wenn es um Tomsounds geht: Einlagige Tom-Felle ohne Schnickschnack schwingen am längsten aus und lassen ein Maximum an Dynamik zu, weil die Folie durch nichts an der Bewegung gehindert wird. Ihr Einsatzgebiet ist damit extrem weit gefasst. Modelle wie das Remo Ambassador Coated, das Evans G1 sowie das Aquarian Texture Coated Fell sind beispielsweise sowohl auf den Toms von Jazzern zu finden als auch auf jenen von Extreme-Metal-Drummern.
Wer den Klangcharakter seiner Toms möglichst unverfälscht hören möchte, ist mit einlagigen Modellen jedenfalls am besten bedient. Ein Vorteil der dünneren Folien ist außerdem, dass Obertöne beim Stimmen besser hörbar und tonal klarer artikuliert wirken als bei dickeren, zweilagigen Fellen. Wem sie dann im Einsatz zu viel des Guten sind, der kann – je nach Geschmack – mit Dämpfung arbeiten.
Auch als Resonanzfelle sind einlagige, transparente Felle weit verbreitet, auch dann, wenn es „obenrum“ doppellagig oder stark gedämpft zugeht. Beim Tuning solltet ihr sorgfältig vorgehen. Mein Tipp: Mit den Resonanzfellen starten und sie etwas höher stimmen als die Schlagfelle. Ein zu langes Sustain könnt ihr – wie auf der Schlagseite – anschließend per dosierter Dämpfung verkürzen. Weiter unten habe ich euch einige Optionen zur Dämpfung von Toms und Floortoms zusammengestellt.
Tipp 2: Dickere Tom-Felle begrenzen die Obertöne und halten länger
Obwohl mit einlagigen Tom-Fellen fast alles geht, nutzen mindestens genauso viele Drummer doppellagige Versionen auf ihren Toms. Dafür gibt es gute Gründe. Durch das erhöhte Membrangewicht schwingen die Felle etwas kürzer aus und begrenzen auf natürliche Weise die entstehenden Obertöne. Dies kann in vielen Situationen von Vorteil sein, so bevorzugen nicht nur Rockdrummer einen subjektiv bassigeren und kürzeren Ton.
Typen wie das Remo Emperor, Evans G2 oder Aquarian Super 2 empfehlen sich nicht nur im Proberaum, sondern auch im Studio- oder Live-Einsatz, also dort, wo Tontechniker viele Schallquellen zusammenmischen müssen und langes Ausklingen der Trommeln eher stören würde. Ein weiterer netter Nebeneffekt dickerer Tom-Felle ist ihre erhöhte Haltbarkeit. Laute Drummer, Vielspieler und Freunde schwerer Sticks können mit der Investition in haltbarere Felle mittelfristig bares Geld sparen.
Tipp 3: Es müssen nicht immer die gleichen Felle auf allen Toms montiert sein
Aus irgendeinem Grund ist es ein gängiger Standard, alle Toms mit der gleichen Fellkombination auszustatten. Warum eigentlich? Es spricht absolut nichts dagegen, auf kleineren Trommeln beispielsweise einlagige Felle aufzuziehen, während auf größeren doppellagige oder dickere Modelle zum Einsatz kommen. Aber auch bei den Resonanzfellen kann sich ein bisschen Experimentierfreude lohnen. So lassen dünne, einlagige Resonanzfelle kleinere Toms mehr „singen“, während doppellagige oder beschichtete Modelle gerade auf Standtoms etwas kontrollierter und bassiger klingen, ohne dass sich der Attacksound verändert.
Tipp 4: Langweiliger Tomsound? Experimentiert mit Fellen!
Es gibt unendlich viele Kombinationen aus Toms und Fellen und niemand hat schon alle gehört, geschweige denn selber ausprobiert. Wenn ihr euer Set gut kennt und euch auch beim Stimmen recht sicher fühlt, kann es sich lohnen, die eingetretenen Pfade der Fellwahl zu verlassen und auf klangliche Entdeckungsreise zu gehen.
Alle Hersteller bieten interessante Alternativen in ihrem Tomfell-Programm, welche sich eignen, bestimmte Soundvorstellungen umzusetzen, die mit den „Normalos“ nicht so ohne Weiteres umsetzbar sind. Remo Suede- oder Renaissance-Modelle verwenden beispielsweise andere Folienmaterialien, welche auch die Soundtextur der Trommel deutlich verändern. Bei Evans wird der Soundfreund bei den EC- oder Frosted-Modellen fündig, Aquarian stellt Vintage-Fans mit den Modern-Vintage-Typen zufrieden. Mit den Asapura-Fellen aus Japan gibt es sehr rund und ausgewogen klingende Sounds zu entdecken. Wer es noch mehr in Richtung Jazz oder Vintage mag, sollte unbedingt mal die Naturfelle von Kentville Drums ausprobieren.
Tipp 5: Dämpfen ist ausdrücklich erlaubt (und meistens sogar gewünscht)
So schön ein sauber und lange ausklingendes Tom auch klingen mag, es gibt viele Szenarien, in denen genau das nicht funktioniert. Zum Beispiel, wenn Mikrofone involviert sind. Auch wenn wir Drummer es vielleicht nicht so gerne hören: Toms sind innerhalb einer Produktion nur ein kleiner Teil des Gesamtklangs und je mehr Platz sie im Mix beanspruchen, desto problematischer wird es. Spätestens für Aufnahmen oder Livegigs solltet ihr also ein Mittel zur Sustain-Begrenzung am Start haben.
Den drastischsten Effekt bieten vollflächig aufliegende Dämpfer wie zum Beispiel die BFSD Quesadillas oder Mr. Muffs Muffins. Das Ergebnis ist nicht nur ein extrem trockener Klang, auch der Attack wird deutlich weicher. Ideal für Retro-Tomsounds à la Ringo Starr .
Für leichte Verkürzungen des Ausklangs oder Korrekturen von Stimm- oder Gratungsfehlern solltet ihr euch bei weniger brachialen Produkten bedienen. Ein Klassiker ist nach wie vor das berühmte Gaffa-Gewebeband, wesentlich angenehmer zu handhaben sind jedoch Produkte wie die MiniMuffs, Snareweights, Moongel oder die populären Muff Bites.
Fazit
Wenn es um die Auswahl von Equipment geht, gibt euch eure eigene Art zu spielen oft schon die entscheidenden Hinweise, was am besten passen könnte. Wenn ihr beispielsweise viele schnelle Fill-Ins spielt, könnte es empfehlenswert sein, einen Tomsound zu wählen, der einerseits einen klaren Attack liefert und andererseits nicht zu lange ausklingt. Das gilt besonders, wenn euer Drumset in unbehandelten, stark nachhallenden Räumen steht. Felle wie das Remo Powerstroke 3 reduzieren den Ausklang der Toms deutlich und machen ihren Ton insgesamt kompakter und besser ortbar. Das ist übrigens auch dann von Vorteil, wenn ihr euer Spiel hinsichtlich Dynamik und Präzision analysieren möchtet. Ein großer, offener Tomsound hingegen klingt immer dann am besten, wenn er Raum hat, sich zu entfalten. John Bonham’s Tomsound ist hier nur ein Beispiel, das weite Feld nicht zu schneller Rockmusik bietet euch aber insgesamt viele Möglichkeiten, den Klang eurer Toms eher länger ausklingend zu gestalten. Deutlich höher gestimmt, gilt dies natürlich auch für eine leichte, jazzige Spielweise.
Wer die gängigen Produkte ausprobiert hat und mal was Neues checken möchte, findet im Sortiment der Hersteller unzählige spezielle Tom-Felle, mit denen sich der Tomsound noch stärker in bestimmte Richtungen modellieren lässt.
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