Berühmte Gitarren und ihre Geschichten: Sieben Instrumente, die Rockgeschichte schrieben

Manche Gitarren bleiben gewöhnliche Instrumente. Andere werden umgebaut, zerkratzt, gerettet, angezündet oder aus alten Möbeln gebaut und dadurch Teil der Musikgeschichte. Sie erzählen von Erfindergeist, Krisen, Freundschaft und gelegentlich von einem lockeren Verhältnis zum Brandschutz. Diese sieben berühmten Gitarren zeigen, wie eng Musiker und Instrument miteinander verbunden sein können.

joshbg2k, CC BY 2.0 https://creativecommons.org/licenses/by/2.0, via Wikimedia Commons, John Seb Barber, CC BY 2.0 https://creativecommons.org/licenses/by/2.0, via Wikimedia Commons, Fastback2641, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons

Jimi Hendrix Monterey Stratocaster: Ein Opfer für die Rockgeschichte

Beim Monterey Pop Festival 1967 schuf Jimi Hendrix eines der berühmtesten Bilder der Rockmusik. Am Abend vor seinem Auftritt hatte Pete Townshend von The Who eine Gitarre auf der Bühne zerstört. Hendrix, der ebenfalls für seine spektakuläre Bühnenshow bekannt war, wollte diese Aktion offenbar nicht unbeantwortet lassen. Während eines großen Teils seines Auftritts spielte er eine schwarze Fender Stratocaster. Um dieses Instrument zu schonen, wechselte er später zu einer anderen Gitarre. Die Stratocaster war von Hendrix selbst bemalt worden. Für die Verzierungen soll er unter anderem Sprühfarbe und Nagellack verwendet haben. Künstlerisch war die Gestaltung auffällig. Handwerklich hätte sie vermutlich nicht jede Lackiererei überzeugt.

Während des Songs „Wild Thing“ legte Hendrix die Gitarre auf den Bühnenboden. Er übergoss sie mit Feuerzeugbenzin und setzte sie in Brand. Dann kniete er vor dem Instrument, während die Flammen aus dem Korpus schlugen. Die Szene wirkte wie ein rituelles Opfer und wurde zu einem der prägendsten Momente der Rockgeschichte. Die Monterey Stratocaster erlangte ihren legendären Status nicht durch jahrzehntelangen Einsatz. Ihre Geschichte konzentriert sich auf wenige Minuten.

Hendrix zerstörte die Gitarre, um einen unvergesslichen Moment zu schaffen. Das Instrument verbrannte. Das Bild blieb.

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Eddie Van Halens Frankenstrat: Eine Gitarre nach eigenen Regeln

Eddie Van Halen wollte sich nicht zwischen dem Klang einer Gibson und der Spielbarkeit einer Fender entscheiden. Also baute er sich eine Gitarre, die beides können sollte. Für rund 130 Dollar kaufte er einen Korpus aus Esche und einen Hals aus Ahorn. Danach begann ein jahrelanger Prozess aus Umbauten, Experimenten und Improvisation. Das Ergebnis wurde als Frankenstrat bekannt.

Der Name passte. Die Gitarre wirkte wie ein Instrument, das aus mehreren Welten zusammengesetzt worden war. Doch das war ihre Stärke. Van Halen schuf einen Hybrid, der zu seinem kraftvollen Klang und seinem technisch spektakulären Spiel passte. Auch optisch wurde die Frankenstrat unverwechselbar. Ihr Muster aus roten, weißen und schwarzen Streifen gehört heute zu den bekanntesten Designs der Rockmusik. Ursprünglich war die Lackierung allerdings nicht nur als Kunstwerk gedacht.

Nachdem andere Gitarristen und Hersteller frühere Versionen seines Designs kopiert hatten, begann Van Halen, potenzielle Nachahmer bewusst in die Irre zu führen. Er montierte einen funktionslosen Tonabnehmer und einen Schalter ohne praktische Aufgabe. Ein wenig Tarnung, ein wenig Trotz und vermutlich auch ein wenig Spaß auf Kosten der Konkurrenz. Die Frankenstrat wurde so zum sichtbaren Ausdruck von Van Halens musikalischer Haltung. Regeln waren für ihn offenbar eher unverbindliche Empfehlungen.

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John Frusciantes Stratocaster: Das Instrument einer Rückkehr

Als John Frusciante 1992 die Red Hot Chili Peppers verließ, befand sich die Band auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs. Für den Gitarristen begann dagegen eine schwierige Phase. Die folgenden Jahre waren von Depressionen und schwerem Drogenkonsum geprägt. Ein Feuer zerstörte einen großen Teil seiner Gitarrensammlung. Weitere Instrumente verkaufte er. Als Frusciante schließlich sein Leben neu ordnete und 1998 zur Band zurückkehrte, hatte er nicht mehr viel von seiner früheren Ausrüstung.

Anthony Kiedis, Sänger der Red Hot Chili Peppers, schenkte ihm daraufhin eine Fender Stratocaster aus dem Jahr 1962. Die Gitarre wurde zu Frusciantes wichtigstem Instrument. Er spielte sie bei zahlreichen Konzerten und nutzte sie für Studioaufnahmen sowie für Teile seiner Solokarriere. Ihr warmer, klarer Klang prägte entscheidend den Sound, mit dem die Red Hot Chili Peppers nach seiner Rückkehr neue Erfolge feierten.

Die Stratocaster steht deshalb nicht nur für einen bestimmten Gitarrenton. Sie markiert einen persönlichen und musikalischen Neuanfang. Bei anderen Instrumenten ist der Lack das Auffälligste. Bei dieser Gitarre ist es die Geschichte ihrer zweiten Chance.

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Willie Nelsons Trigger: Ein Instrument mit sichtbarem Lebenslauf

Willie Nelson lernte seine berühmteste Gitarre 1969 in Nashville kennen. Der Anlass war weniger romantisch, als man bei einer solchen Partnerschaft erwarten könnte. Während eines Auftritts stolperte ein betrunkener Besucher auf die Bühne und trat durch Nelsons damalige Gitarre. Der Musiker brauchte Ersatz und entdeckte eine Martin N20 mit Nylonsaiten. Der Preis lag bei 750 Dollar. Nelson nannte die Gitarre Trigger. Der Name bezog sich auf das berühmte Pferd des Westernstars Roy Rogers.

Seitdem begleitet ihn das Instrument durch seine Karriere. Jahrzehntelange Auftritte und Tourneen haben deutliche Spuren hinterlassen. Die Decke ist zerkratzt, der Lack ist großflächig verschwunden und unter den Saiten befindet sich ein auffälliges Loch. Normalerweise wäre das ein Fall für eine Werkstatt. Bei Trigger gilt es als Charakter.

Auf der Gitarre befinden sich zudem zahlreiche Unterschriften von Musikern, Mitarbeitern und Wegbegleitern. Trigger ist damit weniger ein gepflegtes Sammlerstück als ein musikalisches Reisetagebuch. Der Zustand des Instruments erzählt von einer langen Karriere, in der offenbar niemand besonders viel Zeit mit vorsichtiger Behandlung verschwendete. Gerade deshalb ist Trigger heute eine der bekanntesten Gitarren der amerikanischen Musikgeschichte.

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B.B. Kings Lucille: Eine Erinnerung an eine lebensgefährliche Nacht

Im Winter 1949 spielte der junge B.B. King in einem Veranstaltungsraum in Twist, Arkansas. Das Gebäude wurde durch ein brennendes Fass mit Kerosin beheizt. Aus heutiger Sicht klingt das nicht nach einem besonders beruhigenden Sicherheitskonzept. Während des Abends gerieten zwei Männer in Streit. Sie stießen das Fass um und das Gebäude geriet in Brand. King konnte sich zunächst ins Freie retten. Dann fiel ihm ein, dass seine Gitarre noch im Inneren lag. Er lief zurück in das brennende Gebäude und rettete das Instrument.

Später erfuhr er, dass die beiden Männer wegen einer Frau gestritten hatten. Ihr Name war Lucille. King gab seiner Gitarre daraufhin denselben Namen. Auch spätere Instrumente des Bluesmusikers nannte er Lucille. Der Name sollte ihn an die Ereignisse dieser Nacht erinnern. King wollte nie wieder sein Leben wegen einer unüberlegten Entscheidung aufs Spiel setzen.

Lucille wurde im Laufe seiner Karriere zu einem Symbol des modernen Blues. Kings fließender Ton, sein kontrolliertes Vibrato und seine Fähigkeit, mit wenigen Noten große Emotionen auszudrücken, waren eng mit dem Instrument verbunden. Hinter dem eleganten Namen steckt also keine romantische Liebesgeschichte. Es handelt sich eher um eine sehr persönliche Warnung.

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Tom Morellos “Arm the Homeless”: Der Sound der Unvollkommenheit

Bevor Rage Against the Machine weltweit bekannt wurden, arbeitete Tom Morello in einem schlecht bezahlten Beruf und sparte für eine individuell gebaute Gitarre. Ein Gitarrenbauer in Hollywood sollte ihm das Instrument seiner Träume anfertigen. Morello erwartete nicht weniger als die beste Gitarre der Welt. Das Ergebnis überzeugte ihn allerdings nicht. Er veränderte das Instrument immer wieder, tauschte Bauteile aus und experimentierte mit verschiedenen Einstellungen. Dennoch blieb die Gitarre weit von seiner ursprünglichen Vorstellung entfernt. Der entscheidende Schritt bestand schließlich darin, diese Tatsache zu akzeptieren. Morello hörte auf, die Gitarre in ein vermeintlich perfektes Instrument verwandeln zu wollen. Stattdessen begann er herauszufinden, welche Klänge sie tatsächlich erzeugen konnte.

Aus dieser Haltung entwickelte er einen der ungewöhnlichsten Gitarrenstile der Rockmusik. Morello nutzte Schalter, Effekte, Rückkopplungen und rhythmische Geräusche, um seine Gitarre wie einen Plattenspieler, eine Sirene oder eine Maschine klingen zu lassen. Arm the Homeless passte damit perfekt zu Rage Against the Machine. Das Instrument war nicht glatt, nicht elegant und nicht gefällig. Genau das machte es brauchbar.

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Brian Mays Red Special: Gebaut aus einem Kaminsims und einer Idee

Die Red Special von Queen Gitarrist Brian May gehört zu den ungewöhnlichsten Instrumenten der Rockgeschichte. May baute die Gitarre gemeinsam mit seinem Vater, da ein hochwertiges gekauftes Instrument für die Familie kaum bezahlbar war. Die beiden verwendeten Materialien, die bereits ein früheres Leben hinter sich hatten. Der Hals entstand aus einem alten Kaminsims. Teile des Korpus wurden aus Holz eines Tisches gefertigt. Weitere Bestandteile stammten aus alten Regalbrettern. Für das Tremolosystem kamen unter anderem Motorradteile zum Einsatz.

Auf dem Papier klingt das eher nach einer gründlichen Kellerentrümpelung als nach dem Beginn einer Weltkarriere. Das Ergebnis war jedoch ein Instrument mit einem einzigartigen Klang. In Verbindung mit Mays Verstärkern, Effekten und seiner Spieltechnik wurde die Red Special zu einem entscheidenden Bestandteil des Sounds von Queen. Die Gitarre ist auf einigen der bekanntesten Rockaufnahmen aller Zeiten zu hören. Ihre singenden, mehrstimmig geschichteten Klänge lassen sich kaum von Brian Mays musikalischer Identität trennen.

Zugleich blieb die Red Special immer ein sehr persönliches Instrument. Sie entstand nicht in einer großen Werkstatt, sondern aus der Zusammenarbeit zwischen Vater und Sohn. Ihr Wert liegt deshalb nicht allein in ihrer musikalischen Bedeutung. Sie ist auch das Ergebnis von Geduld, handwerklichem Geschick und einer bemerkenswert klaren Vorstellung davon, wie eine Gitarre klingen sollte.

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Warum berühmte Gitarren mehr als Musikinstrumente sind

Die Geschichten dieser Gitarren handeln nicht nur von technischen Details oder wertvollen Sammlerstücken. Eddie Van Halen baute seine Frankenstrat, weil vorhandene Instrumente seinen Vorstellungen nicht genügten. John Frusciantes Fender Stratocaster wurde zum Zeichen seiner Rückkehr und Willie Nelsons Trigger trägt die Spuren eines gesamten Musikerlebens.

Diese Instrumente sind berühmt, weil sie untrennbar mit ihren Besitzern verbunden sind. Ihre Kratzer, Umbauten und Beschädigungen wirken wie sichtbare Fußnoten der Musikgeschichte. Eine gewöhnliche Gitarre lässt sich ersetzen. Eine Gitarre mit einer solchen Geschichte nicht.

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