Am vergangenen Samstag war im Musikhaus Thomann wieder einmal hochkarätige Prominenz zu Gast. Der Bassist, Multi-Instrumentalist, Produzent, Mix- und Mastering-Guru und Drum-Sample-Spezialist Adam „Nolly“ Getgood gab in einem 2,5-stündigen Workshop Einblick in sein Wirken und Schaffen vor und hinter dem Mischpult. Natürlich kam dabei auch die Musik nicht zu kurz: Adam spielt mehrere Songs der Progressive-Metalbands Periphery und Sick. Dabei demonstrierte „Nolly“ auf seinen Dingwall Signature-Bässen nicht nur seine beeindruckenden musikalischen und spieltechnischen Fähigkeiten, sondern glänzte auch mit unglaublich detailliertem Fachwissen. Wie populär Adam „Nolly“ Getgood in der Metalszene ist, zeigte sich nicht zuletzt anhand der vollbesetzten Ränge des Thomann Amphitheaters und der zahlreichen Fragen der Besucherinnen und Besucher. Ein besonderes Highlight war die Verlosung eines Dingwall NG3 5-Saiters im Wert von über 3.000,- Euro.

Wer ist Adam „Nolly“ Getgood?
Bekannt wurde Adam Getgood, der auch unter dem Spitznamen „Nolly“ bekannt ist, als Bassist der Progressive-Metalband Periphery. „Nolly“ arbeitet mit der Gruppe bereits seit Anfang der 2000er-Jahre zusammen und war von 2012 bis 2018 offizielles Mitglied. In dieser Zeit avancierte Adam zu einem der innovativsten und bekanntesten Progressive-Metal-Bassisten der Szene. Gleichzeitig entwickelte er sich zu einer Koryphäe in Sachen Metal-Basssounds.
Aufgrund seiner Leidenschaft für „Sound“ im Allgemeinen kamen in dieser Zeit auch Kooperationen mit dem kanadischen Bassbauer Dingwall und dem finnischen Pedal-Spezialisten Darkglass zustande.
Adam “Nolly” Getgood hegte schon immer eine Vorliebe für das Mischen, Mastern und Produzieren von Metal-Musik und verlagerte seinen Schwerpunkt über die Zeit mehr und mehr in diese Richtung. Um sich voll auf diesen Karrierepfad konzentrieren zu können, stieg er schließlich bei Periphery aus (bzw. geht nicht mehr mit der Band auf Tour) und arbeitet seither hauptsächlich als Mixing Engineer und Produzent. Nebenbei betreibt er mit GGD eine eigene Company, bei der er sich um professionelle Drum Samples kümmert.
Was waren die Themen des Adam „Nolly“ Getgood Thomann-Workshops?
Das Thomann Amphitheater war nahezu bis auf den letzten Platz gefüllt und das Publikum war eine bunte Mischung aus Bassisten und ambitionierten Recording-, Mixing- und Masteringfans. Daher gab es auch eine ganze Reihe unterschiedlicher Fragen. Für jede einzelne nahm sich Adam die Zeit, sie nicht nur oberflächlich, sondern sehr ausführlich zu beantworten.
Hier seht ihr in kurzer Form noch einmal die wichtigsten Themen des Workshops:
▶ Songs: Adam spielte Bass zu mehreren Backing Tracks der Bands Periphery und Sick, mit denen er als Aushilfe bis heute tourt. Dabei knallten den Zuhörern ungerade Taktarten, Polyrhythmen, synkopierte Riffs etc. nur so um die Ohren. Adam zeigte eindrucksvoll, was für eine perfekt geölte „Metal-Bassmaschine“ er ist. Nach jedem Song erläuterte er die wichtigsten Parts und löste so manches mathematisches Rhythmus-Rätsel innerhalb der Tracks auf. Zudem gab er Einblick in den Kompositionsprozess. Ein sehr interessanter und auch lustiger Aspekt war, dass sich laut Adam Rap-Rhythmen (!) ideal als Grundlage für Djent-Riffs eignen. Komplexe Songs startet er wie ein Maler mit Vogelperspektive auf das große Bild bzw. einem groben Umriss des Ganzen und fügt dann nach und nach die Details dazu.
▶ Dingwall Signature Bass: Natürlich ging Adam auch ausführlich auf seinen Signature-Bass des kanadischen Bassbauers Dingwall ein. Er erläuterte, was für ihn die Vorteile eines Multiscale-Instruments sind (weniger Saitenspannung, man kann dünnere Saiten verwenden, definiertes, pianoartiges Low End…) und wie er persönlich seine Bässe einstellt, so dass sie perfekt zu seinem Spiel passen.
▶ Pick: Adam schlägt die Saiten hauptsächlich mit dem Plektrum an. Erstaunte Gesichter sah man, als er berichtete, dass er ein ausgesprochen dünnes Pick (Dunlop 0,60mm) benutzt, mit dem er dann aber vergleichsweise tief in die Saiten eintaucht. Dies erzeugt einen ganz speziellen Attack, der verzerrte Basssounds vortrefflich unterstützt. Das Geheimnis für ein fettes Low End und allgemein einen guten Sound ist laut Adam ein möglichst konstanter Anschlag, welchen er über die Jahre hinweg zu perfektionieren versuchte.
▶ Sound: In der Metalszene spricht man ja in den letzten Jahren vom „Nolly Sound“ – Adam hat also durchaus einen neuen Standard für sein Genre gesetzt. Dieser besteht laut Adam aus seinem speziellen Anschlag, seinem Dingwall Bass, seinem Darkglass „ADAM“-Pedal sowie einem Outboard-Kompressor. Die beiden Letztgenannten nutzte er als Emulation in seinem Neural DSP Quad Cortex Mini-Pedal. Auch interessant: Adam macht keinen Unterschied zwischen seinem Studio- und seinem Live-Sound.
▶ Geschwindigkeit: Viele Metal-Riffs sind aufgrund ihres hohen Tempos technisch sehr anspruchsvoll. Der Schlüssel für Geschwindigkeit liegt laut Adam in der perfekten Synchronisation der rechten und linken Hand. Ähnlich wie beim Anschlag mit dem Pick hat Adam sehr viel Zeit darauf verwendet, diese Synchronisation zu perfektionieren.
▶ Ungerade Taktarten, komplexe Rhythmen: Um sich diese zu erarbeiten, lernt Adam die Riffs, zählt aber nicht im Sinne von „1, 2, 3, 4 …“. Vielmehr hört und empfindet er kleinere Unterteilungen in seinem inneren Ohr und folgt eher der Melodie, als wirklich genau zu wissen, wo er sich gerade im Takt befindet.
▶ Karriere: Diese Frage wurde eher in Bezug auf seine Karriere als Audio Engineer gestellt, gilt aber gleichermaßen für Musiker oder Bands. Ein Job mit oder für einen wichtigen Auftraggeber, zum Beispiel als Aushilfe, ist für die Karriere meist viel wichtiger, als hunderte kleine Aufträge von unbekannten Klienten. Nach Adam Getgoods Aussage treten viele Musiker oder Bands in eine Falle, wenn sie versuchen, so viel wie möglich zu spielen, um erfolgreich zu werden. Die Gefahr: Das Hamsterrad bleibt, doch der Schritt auf die nächste Stufe bleibt aus. Viele Gigs zu spielen bedeutet nicht automatisch, auch konstant in der Karriere voranzukommen. Ein einziger Gig mit den richtigen Leuten kann nicht selten viel mehr bewirken.
▶ Producing: Die Anzahl an Bassisten und Recording-Fans im Publikum hielt sich vermutlich ungefähr die Waage, denn sehr viele Fragen an Adam drehten sich um das Aufnehmen, Mischen und Masten von Metal-Produktionen. Dabei ging es unter anderem um die Herausforderung, die zahlreiche Gitarrenspuren in einem Track mit sich bringen, den Einsatz von Kompression, das Erzeugen von Tiefe und Dynamik im Mix etc. Um den Rahmen nicht zu sprengen, beschränken wir uns in diesem Artikel aber im wesentlichen auf die Fragen an Adam rund um das Thema „Bass“.
▶ Verlosung: Auch eine schöne Geste: Vor dem Workshop konnte man Karten ausfüllen und in eine Box für die spätere Verlosung werfen. Zu gewinnen war ein Dingwall NG3 Adam „Nolly“ Getgood Signature 5-Saiter im Wert von über 3.000,- Euro, den der sichtlich glückliche Gewinner mit nach Hause nehmen durfte. Wir sagen „herzlichen Glückwunsch“!
Was ist das Fazit des Adam „Nolly“ Getgood Workshops?
Der Workshop war ein gemeinsames Projekt von Dingwall, dem Vertrieb Musifacts und dem Musikhaus Thomann. Alle drei haben ein sehr herzliches Dankeschön verdient, denn das Event war mehr als gelungen und einmal mehr perfekt organisiert. Der Eintritt war frei, es wurden kostenlos Erfrischungen gereicht und schließlich sogar noch der besagte fünfsaitige Dingwall Adam „Nolly“ Getgood Bass verlost. Was will man mehr?
Ein Workshop steht und fällt aber natürlich mit seinem Protagonisten und Adam lieferte in allen Belangen auf höchstem Niveau ab. Adam „Nolly“ Getgood ist ein äußerst sympathischer und bodenständiger Mensch, der nicht nur sehr detailreich auf die Fragen des Publikums einging, sondern neben dem geballten Fachwissen auch sehr ehrliche, teils durchaus persönliche Antworten gab. So ging jeder der Teilnehmenden mehr als zufrieden und mit vielen Insider-Informationen im Gepäck wieder nach Hause.


























