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Querschläge: Mit SEO und Google in die Charts?

Bist du unique genug?


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 Annika Jonsson hat einen Blog. Mit fünf News-Einträgen in vier Jahren ist die Jazz-Sängerin In Sachen Inhalts-Pflege und Aktualisierung vom Timing wohl eher “loose”; wäre der Blog ein Tagebuch, müsste er eigentlich Jahrbuch heißen. Und doch geht Annika Jonsson gleich im ersten ihrer fünf Einträge ein heißes Eisen an: Regeln für Bandnamen. Eine dieser Regeln besagt: “Es sollte möglich sein, jemandem den Bandnamen während eines ruhigen Solos [sic!] ins Ohr zu flüstern, oder – je nach Stilrichtung – jemandem während eines Metalkonzerts den Bandnamen mitzuteilen.” Obwohl diese putzige Regel mehr Fragen aufwirft, als beantwortet (was ist bei lauten Soli, bei Musik ohne Soli etc.), so ganz sinnentleert ist sie nicht. Was man von Regel Nr.2 noch viel weniger sagen kann: “Der Bandname sollte kein alltägliches Wort aus irgendeiner Sprache sein.” Denn die Suchmaschinen-Optimierung von Projekt-Namen und Titeln hat sich zu einer Herausforderung ganz eigenen Rechts gemausert. Cream, Band, Nice, Carpenters und Love fallen vollkommen raus. Air sowieso. Fahrlässig haben die Genannten dennoch nicht gehandelt: Es gab sie schon, bevor Google überhaupt ein Wort war.

Ab in die Metadimension. Seit “Google” zu den meistbenutzten Wörtern der Welt zählt, muss man für Hinweise wie denen von Annika Jonsson dankbar sein. Kein Mensch käme heute mehr auf die Idee, seine Band Baum, Krankenwagen oder Online Kaufen  zu nennen. Dementsprechend werden nicht wenige Musikprojekte inzwischen auf Fantasie-Namen oder Wortneuschöpfungen getauft – so wie Google vor 20 Jahren auch. Die Verwechslungsgefahr bei Namen wie !!!, Hgich.T oder auch And You Will Know Us by The Trail of Dead ist denkbar gering. Die Wahrscheinlichkeit, dass Suchende einen Zufallstreffer landen allerdings auch. Genau diesen Umstand machen sich Musiker mit einer ganz anderen, sehr viel risikofreudigeren Online-Strategie zu nutze. So etwa nannte der Hamburger Klang-Alchemist und Plattendreher DJ Koze die erste Single seines aktuellen Albums “Track ID anyone?” und damit haargenau so, wie Millionen von Kommentaren z. B. bei Mixen auf Soundcloud, in denen sich die Kommentatoren nach dem Namen des Tracks erkundigen. Koze selber macht in einem Interview folgende Bemerkung: “It was just a funny idea to call it that—to call it something that everybody is asking for… You can’t Google it because it has 6 million hits. Even now, they don’t know if people asking for the “Track ID anyone” or if it’s just the name. It’s like meta—a meta-dimensional joke.”

Google hat immer einen Vorschlag parat... oder zwei.
Google hat immer einen Vorschlag parat… oder zwei.

Darf es etwas mehr sein? In punkto Humor gäbe es zwischen Koze und Supergaul wahrscheinlich keine Verständigungsschwierigkeiten. Auch wenn das SchwarzwälderKirschProjekt von einer Band ihre Suchmaschinen-Stromlinienförmigkeit einen Tick anders interpretiert. Nicht nur, dass sie darauf setzen, dass Google jedem nach Supergau Suchenden das fehlende “L” als “Meinten-Sie-Vielleicht-Das?”-Verbesserungsvorschlag unterjubelt. Im Tracklisting des aktuellen Albums finden sich immer wieder Titel, die ausschließlich nach SEO-Kriterien gewählt worden zu sein scheinen: “Aktionstag im Baumarkt”, “Kultur Kontrovers mit Hajo Schirmberg” oder “Die Gitarre von Eye of The Tiger” sind herausragende Beispiele. Den Suchmaschinen-Vogel aber schießen sie mit. “Justin Bieber, Neuer Song mit Bruno Mars und Xavier Naidoo produziert von Dieter Bohlen” ab. Ob sich die Band damit einen Gefallen tut? – Klar, ich habe schon Supergäule kotzen sehen …

Über Joinmusic

Unser neuer Kolumnist Thomas Kühnrich ist seit 2011 Redaktionsleiter bei Joinmusic.com. Dieses Online-Magazin und Label-Portal will getreu des Mottos “Good Music Only” eine Anlaufstelle für Labels und Musikinteressierte abseits der Top 20 Playlists sein. Und weil Justizia zwar blind, nicht aber taub ist, gibt sich Joinmusic subjektiv, voreingenommen und parteiisch. Mit News, Track-Tweets, Reviews und Hintergrund-Geschichten informiert das Magazin über Künstler, die den Unterschied machen. Das einzige Genre, das für sie wirklich zählt, heißt „großartige Musik“. Mit diesem Hintergrundwissen gewappnet, wird uns Thomas ab sofort mit seinen “Querschlägen” ein wenig Pfeffer in den Alltag bringen…

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